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Rückgang
EU: Arbeitslosigkeit sinkt - doch Euphorie ist verfrüht

Demonstration gegen die Jugendarbeitslosigkeit: Die EU-Rate bleibt hoch. Keystone

So tief wie heute war die Arbeitslosigkeit in der EU seit der Finanzkrise vor acht Jahren nicht mehr. Doch noch immer haben 20 Millionen Europäer keinen Job – darunter erschreckend viele Jugendliche.

Von Marc Bürgi
am 03.04.2017

In der europäischen Wirtschaft ist ein zaghafter Aufschwung im Gang. Und langsam profitieren auch die Jobsuchenden davon, dass es Unternehmen und Konjunktur besser geht. Im Februar sank die Arbeitslosigkeit in der Europäischen Union (EU) auf 9,5 Prozent und damit den tiefsten Stand seit Mai 2009. In fast allen 27 Ländern sank die Arbeitslosigkeit, ausgerechnet die Krisenländer Spanien, Portugal und Kroatien meldeten die grössten Fortschritte.

Doch Euphorie ist nicht angebracht. Denn in der europäischen Wirtschaft gibt es weiterhin enorme Gegensätze: In Deutschland floriert die Wirtschaft. Die Arbeitsigkeit liegt bei lediglich 3,9 Prozent, nach gängigen Standards herrscht damit Vollbeschäftigung. Ganz anders sieht es demgegenüber noch immer in den Krisenstaaten des Südens aus: In Griechenland ist noch immer fast jeder Vierte ohne Job (23,1 Prozent). Auch in Spanien finden Millionen von Bürgern keine Stelle (Quote von 18,0 Prozent).

Ein Heer von jungen Arbeitslosen

Das grosse Problem ist die prekäre Situation bei den Jugendlichen. Zwar ging auch bei den 15- bis 24-Jährigen die Arbeitslosigkeit zurück. Doch mit einer Quote von aktuell 17,3 Prozent kann die Politik nicht zufrieden sein. Dies bedeutet, dass Millionen von Jugendlichen der Einstieg in den Arbeitsmarkt nicht gelingt. Wegen dieser Starschwierigkeiten dürften sie auch später Mühe haben, einen ihrer Ausbildung entsprechenden Job zu finden. Studien belegen zudem, dass Menschen nach einem schlechten Start ins Berufsleben ihr ganzes Leben Probleme haben können, Karriere zu machen.

Erschreckend ist einmal mehr die Lage in den Krisenländern im Süden Europas: 45,2 Prozent der jungen Griechen haben keinen Job (Dezember), ähnlich dramatisch sind die Raten in Spanien (41,5 Prozent) und Italien (35,2 Prozent). Damit zeichnet sich in diesen Ländern in den vergangenen Jahren nur allmählich Besserung ab. In Frankreich und Portugal sind je rund ein Viertel der Jungen arbeitslos laut der Statistik.

In der Finanzkrise war wegen der vielen arbeitslosen Jugendlichen in Südeuropa von einer verlorenen Generation die Rede. Wie die aktuellen Quoten zeigen, ist das Problem nicht gelöst. In den südlichen EU-Länder sind weiterhin Millionen von Jugendlichen vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen.

Deutschland brilliert mit tiefer Quote

Deutschland (6,6 Prozent), Österreich (saisonbereinigt 10,7 Prozent) oder den Niederlanden (saisonbereinigt 9,7) gelingt es hingegen besser, Jugendliche zu einem Job zu verhelfen. Und auch die Schweiz hat kein Problem mit der Jugendarbeitslosigkeit. Vergleichen lässt sich das nur mit der Erwerbslosenquote, weil die Schweiz ihre Arbeitslosigkeit anders berechnet. Im vierten Quartal 2016 hatte sie eine Erwerbslosenquote bei den 15- bis 24-Jährigen von 7,5 Prozent – in der Europäischen Union betrug die entsprechende Quote 18,5 Prozent.

Dass gerade die Schweiz, Österreich und Deutschland bei der Jugendarbeitslosigkeit herausstechen, ist wohl kein Zufall: Es sind die Länder, in denen die Lehrlingsausbildung gut etabliert ist. Das System gilt als idealen Weg, um Jugendliche einfach in die Arbeitswelt zu intergrieren.

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