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EU will IWF-Kandidaten stellen

Hat gute Chancen auf den Posten: Christine Lagarde. (Bild: Keystone)

Die Europäische Union möchte an der Spitze des Internationalen Währungsfonds einen starken Kandidaten aus den eigenen Reihen sehen. Eine Favoritin gibt es auch schon.

Veröffentlicht am 19.05.2011

Die Europäische Union macht sich in der Debatte um die Nachfolge an der Spitze des Internationalen Währungsfonds für einen starken europäischen Bewerber stark. "Es ist nur selbstverständlich, dass sich die Mitgliedstaaten der EU als grösste Geber des Fonds auf einen starken und kompetenten Kandidaten einigen", sagte die Sprecherin von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso.

Auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel untermauerte  die Forderung, dass erneut ein Europäer den Vorsitz beim IWF übernehmen sollte. "Ich vertrete die Meinung, dass wir einen europäischen Kandidaten vorschlagen sollten", sagte Merkel in Berlin. Es müsse schnell eine Lösung gefunden werden.

Zu möglichen Kandidaten für die Nachfolge des wegen einer Sex-Affäre zurückgetretenen IWF-Chefs Dominique Strauss-Kahn äusserte sich Merkel nicht: "Ich werde heute keinen Namen nennen." Dazu werde es Gespräche in der Europäischen Union geben.

Auch die Schwellenländer wie China und Brasilien hatten zuvor verkündet, Interesse an der Besetzung des Postens zu haben.

Merkel begründete den europäischen Anspruch unter anderem mit den anhaltenden Problemen in der Euro-Zone. Ausserdem sei der Franzose Strauss-Kahn vor Ablauf seiner regulären Amtszeit zurückgetreten. Möglicherweise seien die Schwellenländer für dieses Argument zugänglich.

Strauss-Kahn hatte nach Angaben des IWF seinen Rücktritt erklärt. Ihm wird versuchte Vergewaltigung vorgeworfen.

Laut der Sprecherin von Barroso gibt es bereits Beratungen zwischen den Mitgliedstaaten zur Nachfolge von Strauss-Kahn. Das sei eine Frage der "europäischen Verantwortlichkeit". Detailfragen zu einzelnen Kandidaten beantwortete aber auch sie nicht. Laut Diplomaten hat die französische Wirtschafts- und Finanzministerin Christine Lagarde gute Chancen auf den Posten des Generaldirektors beim IWF.

Bisher machen die US-Amerikaner und die Europäer die Chefposten bei den Washingtoner Finanzinstitutionen unter sich aus. Ein Europäer leitet den Währungsfonds, während ein US-Amerikaner die Weltbank führt. Von aufstrebenden Wirtschaftsnationen in Asien wird dieses Schema allerdings infrage gestellt.

(laf/awp/sda)

 

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