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Konjunktur

Euro-Finanzminister beraten über Spanien-Hilfe

Der spanische Bankensektor benötigt laut IWF mindestens 40 Milliarden Euro. (Bild: Keystone)

Die Milliarden-Hilfsaktion für Spanien rückt immer näher: Die Finanzminister der Eurogruppe wollen noch am Samstag über die Bankenkrise in Spanien beraten - ein Hilfsantrag aus Madrid blieb bis jetzt

Veröffentlicht am 09.06.2012

Der Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker setzte für 16 Uhr  eine Telefonkonferenz der Ressortchefs an, wie der Sprecher von Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker, Guy Schuller, bestätigte. Noch offen ist allerdings EU-Diplomaten zufolge, ob bei der Konferenz der Minister bereits ein offizieller Hilfsantrag erfolgt und konkrete Beträge auf den Tisch gelegt werden.

Erwartet wird aber, dass die Finanzminister der 17 Euro-Länder zumindest ein starkes politisches Signal geben, um die Finanzmärkte zu beruhigen. Es liege noch kein Hilfsantrag aus Madrid vor, aber «man will vorbereitet sein, falls eine Anfrage kommt», sagte der Juncker-Sprecher. Am Morgen berieten zunächst die Finanzstaatssekretäre telefonisch über den spanischen Patienten.

Juncker für rasche Lösung

Der spanischen Nachrichtenagentur EFE zufolge will die Regierung in Madrid zunächst die Meinung der EU-Partner einholen, bevor sie eine Entscheidung über eine Rekapitalisierung der Banken treffen wird. Regierungsquellen sagten EFE, die Telefonkonferenz sei nicht auf Gesuch Spaniens einberufen worden.

Juncker plädiert für eine rasche Lösung der spanischen Bankenkrise. «Die Lösung wird schnell erfolgen müssen», sagte Luxemburgs Premier im Deutschlandradio Kultur. Juncker betonte unter Hinweis auf die Konsolidierungsbemühungen in Madrid, die Situation Spaniens und Griechenlands sei nicht vergleichbar. Spanien habe ein Bankenproblem, Griechenland ein viel breiteres.

Milliardenspritze nötig

Der spanische Bankensektor benötigt nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) einen Krisenpuffer von mindestens 40 Mrd. Euro. Das frische Kapital würde gebraucht, wenn die düstersten Konjunkturvorhersagen für das Euroland eintreten würden.

Dieses Ergebnis eines Stresstests geht aus einem IWF-Bericht über die Stabilität des spanischen Finanzsystems hervor, der in Teilen am Freitagabend (Ortszeit) in Washington veröffentlicht wurde.

Der tatsächliche Kapitalbedarf sei wegen möglicher Kosten für Restrukturierungen und Kreditausfälle sogar bis zu doppelt so hoch, sagte eine IWF-Mitarbeiterin in einer Telefonkonferenz. Zuvor war über eine Summe von bis zu 100 Milliarden Euro spekuliert worden.

Spanien kämpft gegen eine massive Bankenkrise und steckt in der Rezession. Allein die Krisenbank Bankia will vom Staat für seine Sanierung insgesamt mehr als 23 Milliarden Euro. Vor allem eine Vielzahl «fauler» Immobilienkredite hat die Bankenbranche in die Krise gestürzt.

Moody's erwägt Herabstufung

Die Ratingagentur Moody's drohte Spanien mit Herabstufung seiner Kreditwürdigkeit. Die Note werde bei steigenden Risiken für die Gläubiger des Landes gegebenenfalls entsprechend angepasst. Die Probleme der spanischen Banken seien aber weitgehend auf Spanien beschränkt.

Daher sei die Gefahr gering, dass die Probleme auf andere Länder übergreifen könnten - mit Ausnahme von Italien. Moody's bewertet Spanien derzeit mit "A3", allerdings mit negativem Ausblick.

(rcv/sda)

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