Senkt die Europäische Zentralbank (EZB) heute den Leitzins? Ein solcher Schritt ist zumindest sehr wahrscheinlich, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf nicht näher genannte Kreise. Die Höhe des möglichen Zinsschritts sei aber ungewiss. 

Von der Nachrichtenagentur dpa-AFX befragte Volkswirte hatten bis zuletzt eine Zinssenkung um 0,25 Punkte auf 1,0 Prozent erwartet.

Laut Bloomberg überlegt die EZB auch, den Banken des Euro-Raums Liquidität über einen noch längeren Zeitraum zur Verfügung zu stellen sowie den Rahmen für die akzeptierten Sicherheiten zu lockern.

S&P und der EU-Gipfel

Ob der heute beginnende EU-Gipfel die Furcht vor dem Zerfall der Währungsunion vertreiben kann, ist zweifelhaft. Die erhofften Beschlüsse werden der Euro-Zone laut Analysten allenfalls eine Atempause verschaffen. «Die Skepsis wird anhalten, und das Kräftemessen zwischen Politik und Märkten wird weitergehen», sagt etwa Ulrich Kater, Chef-Volkswirt der deutschen Dekabank.

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Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Sarkozy wollen auf dem Gipfel ihre am Montag vorgestellten Pläne zur Änderung der EU-Verträge, zu Schuldenbremsen und zum Euro-Rettungsschirm durchsetzen.

Besonders aufmerksam verfolgt die Ratinagentur Standard and Poor's das EU-Treffen. Sie macht von den Gipfel-Ergebnissen abhängig, ob sie 15 Euro-Länder und den Euro-Rettungsfonds EFSF herabstuft, nachdem sie den Ausblick für sie am Montag und Dienstag auf «negativ» gesenkt hatte.

Stresstest-Ergebnisse für die Banken

Die europäische Bankenaufsicht EBA veröffentlicht am frühen Abend die mit Spannung erwarteten Ergebnisse der jüngsten Stresstests für Banken. Dies umfasse die formelle Empfehlung sowie die Endergebnisse nach der Prüfung des Finanzbedarfs von Europas Geldhäusern, teilte die EBA mit. Gleichzeitig würden die Banken sowie die nationalen Aufseher individuelle Ergebnisse bekanntgeben.

In dem Stresstest ermitteln die Aufseher derzeit, wie gross die Kapitallücke der europäischen Institute bei einer Bewertung der gehaltenen Staatsanleihen zu Marktpreisen ist. Die Banken müssen bis Ende Juni 2012 eine harte Kernkapitalquote von 9 Prozent erreichen. Der Finanzbedarf wird auf mehr als 100 Milliarden Euro geschätzt.

Der deutschen Commerzbank droht bei dem-Stresstest Gerüchten zufolge ein unangenehmes Ergebnis: Die Kapitallücke bei dem Institut könnte sich demnach auf rund 5 Milliarden Euro belaufen. Nach bisherigen Berechnungen liegt der zusätzliche Kapitalbedarf bei 2,9 Milliarden Euro.

(tno/laf/sda/awp)