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Euro-Krise: Der Druck vor dem Gipfel wächst

Hauptfiguren beim grossen Euro-Spektakel: Angela Merkel und Nicolas Sarkozy. (Bild: Keystone)

Die Spannung steigt: Wenn Merkel, Sarkozy und Co. sich Ende der Woche zum EU-Gipfel treffen, guckt die Ratingagentur S&P ganz genau hin. Ist sie von den Rettungsplänen der Politiker nicht überzeugt, d

Veröffentlicht am 06.12.2011

Unmittelbar vor dem EU-Gipfel Ende der Woche hat die US-Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) quasi der gesamten Eurozone mit der Herabstufung ihrer Kreditwürdigkeit gedroht.

S&P stellte auf einen Schlag die Kreditwürdigkeit von 15 der 17 Eurostaaten unter strenge Beobachtung. Dabei wählte die Agentur sogar die schärfere Form des «Creditwatch with negative implications», was eine höhere Dringlichkeit der Überprüfung bedeutet. Auch für den Euro-Rettungsschirm EFSF senkte die Agentur den Ausblick.

S&P hat nun maximal 90 Tage Zeit, eine Entscheidung zu treffen. «Wir werden eher früher als später entscheiden», kündigte S&P-Europa-Chefanalyst Moritz Kraemer an. Je nach den Ergebnissen des EU-Gipfels droht eine massenhafte Herabstufung.

Verschärfter Sparzwang

Zur Begründung verwies die Agentur unter anderem auf das ihrer Ansicht nach unkoordinierte und unentschlossene Handeln der Politiker. Auch sei unklar, wie die Politik langfristig mehr wirtschaftliche, finanzielle und steuerliche Annäherung in den Euro-Staaten gewährleistet wolle. Erschwerend hinzu komme die drohende Rezession im Euroraum im kommenden Jahr.

Diese wird durch den Sparzwang in mehreren Ländern verschärft. Nach Italien kündigte am Dienstag auch Irland Sanierungsschritte an. Die irische Regierung will 2012 unter anderem die Mehrwertsteuer um zwei Punkte auf 23 Prozent erhöhen, um den überschuldeten Staatshaushalt auf Vordermann zu bringen.

Schon jetzt wächst die Wirtschaft im Euroraum nur noch minimal. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sei im dritten Quartal verglichen mit dem Vorquartal um lediglich 0,2 Prozent gestiegen, teilte die europäische Statistikbehörde Eurostat in Luxemburg mit. Auch im zweiten Quartal 2011 war die Wirtschaft um 0,2 Prozent gewachsen.

Keine Panik bei Händlern und Politikern

An den Börsen trübte sich die Stimmung ein, Kurseinbrüche blieben aber aus. «Die Warnung von S&P hat den Markt nicht in Panik versetzt, da die Probleme ziemlich offensichtlich sind», sagte eine Händlerin.

Auch die deutscher Kanzler äusserte sich zurückhaltend: «Was eine Ratingagentur macht, das ist in der Verantwortung der Ratingagentur», sagte Angela Merkel.

Zugleich betonte Merkel die Notwendigkeit der von Deutschland und Frankreich bis März angestrebten radikalen und raschen Reform der Euro-Zone: «Wir werden am Donnerstag und Freitag die Entscheidungen treffen, die wir für die Euro-Zone für wichtig und unabdingbar halten.» Dies sei ein Beitrag zur Stabilisierung der Eurozone. Auch werde so Vertrauen gewonnen.

«Systemische Vertrauenskrise»

S&P-Mann Kraemer verteidigte die Entscheidung seiner Agentur gegen Kritik: Die Krise sei zu einer «systemischen Vertrauenskrise» ausgeufert. «Eine Herabstufung ist auf keinen Fall sicher», versicherte Kraemer zugleich. Entscheidend sei, dass das Treffen der Staats- und Regierungschef «glaubwürdige und solide Lösungen» bringe.

Ein gutes Rating der drei grossen Agenturen ist Voraussetzung für Staaten und Unternehmen, um sich an den Kapitalmärkten zu günstigen Konditionen frisches Geld zu besorgen. Schlechtere Bonitätsnoten führen in der Regel dazu, dass Schuldner höhere Zinsen zahlen müssen.

(tno/sda)

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