1. Home
  2. Konjunktur
  3. Euro-Krise: Griechenland soll auf jeden Fall Geld bekommen

Konjunktur

Euro-Krise: Griechenland soll auf jeden Fall Geld bekommen

Die Menschen in Athen fragen sich: Wie lange kann sich Griechenland gegen den drohenden Bankrott stemmen? (Bild: Keystone)

Diese Meldung birgt einigen Zündstoff: Griechenland soll Medienberichten zufolge selbst dann eine Finanzspritze erhalten, wenn das krisengeschüttelte Land gegen die auferlegten Sparauflagen verstossen

Veröffentlicht am 29.09.2012

Griechenland soll Medienberichten zufolge die nächsten Hilfszahlungen selbst bei Verstössen gegen Sparauflagen erhalten. Das berichten die Nachrichtenmagazine «Focus» und «WirtschaftsWoche» übereinstimmend unter Berufung auf namentlich nicht genannte EU-Kreise.

Hintergrund dieser Massnahme sei die Angst vor den Folgen einer Staatspleite Griechenlands mit anschliessendem Euro-Austritt. «Die Angst vor einem Dominoeffekt ist zu gross», sagte ein EU-Diplomat dazu der «WirtschaftsWoche».

Brüssel will nichts sagen

In Brüssel wurden die Zeitungsberichte indes nicht bestätigt. Es bleibe bei dem Verfahren, dass zunächst die «Troika» der internationalen Geldgeber im Oktober ihren Bericht über die Athener Fortschritte bei den Reformen vorlege und dann entschieden werde, hiess es nur.

Zunächst kommen am 8. Oktober die Finanzminister der Eurogruppe wieder zu einem ihrer regelmässigen Treffen zusammen. «Der Troika-Bericht wird so ausfallen, dass die Politik das Geld freigeben kann», zitiert der «Focus» hingegen aus Kreisen des Europäischen Parlaments. In Brüssel und auch in der Bundesregierung sei niemand bereit, einen Euro-Austritt Athens mit unabsehbaren Ansteckungseffekten zu riskieren.

Was berichtet die Troika?

Seit Monaten wird damit gerechnet, dass der «Troika»-Bericht Defizite bei der Umsetzung der Reformen als auch bei der Eindämmung des Haushaltsdefizits ans Licht bringt. Als ein Grund gilt allerdings auch der lange Wahlkampf angesichts der beiden Parlamentswahlen im Frühjahr.

Bereits damals brachten Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker und wenig später auch der deutsche Aussenminister Guido Westerwelle (FDP) einen zeitlichen Aufschub bei den Athener Reformen ins Spiel. Zwischenzeitlich hatten jedoch vor allem Politiker von CSU und FDP den Eindruck erweckt, als müsse Griechenland wegen mangelnden Sparwillens die Eurozone verlassen. In den vergangenen Wochen waren diese Stimmen aber weitgehend wieder verstummt.

Finanzanalysten halten den tatsächlichen Finanzbedarf Athens ohnehin für schwer kalkulierbar, da sich die Entwicklung der griechischen Wirtschaft in den kommenden Jahren nicht präzise vorhersagen lässt. Hilfsmassnahmen wie die Rettungspakete und der Athener Schuldenschnitt zulasten privater Gläubiger fussen jedoch auf sehr konkreten Erwartungen.

(muv/awp)

Anzeige