Die Wirtschaft des angeschlagenen Euro-Landes Spanien droht nach einem massiven Umsatzeinbruch im Einzelhandel weiter abzurutschen. Im Jahresvergleich meldete die Statistikbehörde des Landes nach unbereinigten Daten einen Rückgang um 11,3 Prozent. Dies ist der stärkste Einbruch seit dem Februar 2009, als die Umsätze um 11,8 Prozent zurückgingen.

Nach bereinigten Daten meldeten die Statistiker einen Rückgang um 9,8 Prozent, und damit den stärksten Einbruch in dieser Abgrenzung seit Beginn der Erhebung im Januar 2004. Den März-Wert für die Umsätze im Einzelhandel revidierten die Statistiker zudem leicht nach unten.

Im jüngsten Monatsbericht der spanischen Notenbank warnen die Währungshüter vor einem weiteren Abrutschen der spanischen Wirtschaft in die Rezession. Jüngste Indikatoren würden darauf hindeuten, dass die Produktion in den Monaten April bis einschliesslich Juni zurückfallen wird, hiess es im dem Bericht.

Rezession und Bankenkrise

Spanien ist im Zuge einer harten Sparpolitik im Kampf gegen die Schuldenkrise zum zweiten Mal nach 2009 in eine Rezession geraten. Zuletzt sind die Renditen für spanische Staatsanleihen mit der Laufzeit von zehn Jahren deutlich über die kritische Marke von 6 Prozent gestiegen, bei der die Refinanzierung des Staates gemeinhin als zu teuer angesehen wird.

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Zudem kämpft Spanien gegen eine nationale Bankenkrise. Die Muttergesellschaft BFA der maroden Sparkasse Bankia korrigierte ihre Bilanz. Statt eines Gewinns weist sie für 2011 nun einen Verlust in Milliardenhöhe aus.

Die BFA verzeichnete im vergangenen Jahr ein Minus von 3,3 Milliarden Euro. Dies geht aus einer Neubewertung hervor, die die Unternehmensführung in der Nacht zum Dienstag verabschiedete. Im April hatte das Unternehmen in seiner Bilanz für 2011 noch einen Gewinn von 41 Millionen Euro ausgewiesen.

Die BFA-Tochter Bankia, Spaniens viertgrösste Bank, hatte am Freitag ebenfalls ihre Bilanz korrigiert und einen Verlust von knapp drei Milliarden Euro eingeräumt. Das Institut schockierte zudem mit der Erklärung, zum Überleben weitere 19 Milliarden Euro Staatshilfe zu benötigen.

Banken flüchten in Fusionen

Die Bank war vor zwei Jahren auf staatlichen Druck nach der Fusion schwächelnder Sparkassen entstanden. Anfang des Monats wurde sie in einer Nacht- und Nebel-Aktion teilweise verstaatlicht, weil sie die riesigen Verluste aus dem spanischen Immobilien-Crash nicht mehr schultern konnte. Im Sog der Krise um Bankia suchen unterdessen weitere Institute ihr Heil in einer Fusion.

Drei Banken - die nicht an der Börse notierte Sparkasse Liberbank und ihre Konkurrenten Ibercaja und Caja 3 - informierten die Aufsichtsbehörden darüber, dass die Verwaltungsräte der drei Institute ihren Zusammenschluss noch am Dienstag beschliessen wollten.

Eine mit dem Vorgang vertraute Person sagte, die Gespräche befänden sich in einem sehr fortgeschrittenen Stadium. Entstehen würde eines der grössten Institute des Landes, dass Vermögenswerte von mehr als 115 Milliarden Euro verwaltet. Ziel ist es, die Kapitalbasis zu stärken. Die Häuser kämpfen mit milliardenschweren faulen Immobilienkrediten. Die Branche steht zudem unter massivem Druck, weil die Banken bis 11. Juni erklären müssen, wie sie die neuen Kapitalauflagen erfüllen wollen.

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Die massiven Probleme im Bankensektor sind einer der Hauptgründe für die brisante wirtschaftliche Lage Spaniens. Die viertgrösste Volkswirtschaft der Euro-Zone droht immer tiefer in den Strudel der europäischen Schuldenkrise zu geraten. Es wird befürchtet, dass die Regierung sich gezwungen sehen könnte, Finanzhilfe bei der EU zu beantragen.

EU-Kommission optimistisch

Das hindert die EU-Kommission jedoch nicht daran, in der Akte Spanien weiter Optimismus zu verbreiten. «Wir erkennen an, dass die spanische Regierung entschlossen ist, die Bankenbranche wirksam und nachhaltig zu stützen», sagte der Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn in Brüssel.

Die Regierung in Madrid unternehme «alles Notwendige». Gerüchte, dass Spanien letztlich Geld aus dem Euro-Rettungsfonds beantragen müsse, seien «vollkommen spekulativ». Es gebe keinen Antrag auf solche Unterstützung.

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Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy hatte mehrfach betont, dass es für die spanischen Geldhäuser keine europäische Rettungsaktion geben werde. Wegen der Bankenkrise ist die viertgrösste Wirtschaft des Eurolandes ins Zentrum der europäischen Schuldenkrise gerückt. Trotz der Sanierungskosten für die marode Grossbank Bankia von mehr als 23 Milliarden Euro will die Regierung ohne fremde Hilfe auskommen.

(muv/sda/awp)

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