Die Sorgen um die Euro-Krisenländer Griechenland und Spanien lasten schwer auf den Aktienmärkten: Der Dax brach um kurz nach 15 Uhr um mehr als 3,4 Prozent ein, der Euro Stoxx 50 verlor 3 Prozent, der Schweizer Leitindex SMI stand 1,6 Prozent im Minus. Auch der Euro fiel unter die Marke von 1,21 Dollar und damit so tief wie seit zwei Jahren nicht mehr.

Die Verluste gründeten auch auf Leerverkaufs-Verboten: Italiens Börsenaufsichtsbehörde untersagte Leerverkäufe von Finanzwerten bis zum Freitag. Spanien zog kurz darauf nach und verbot Leerverkäufe in allen Papieren für die kommenden drei Monate.

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Die EU-Kommission versuchte derweil, die Märkte zu beruhigen: Sie dementierte Spekulationen über einen möglichen Austritt Griechenlands aus dem Euro-Raum. «Griechenland muss und wird in der Euro-Zone bleiben», sagte ein Kommissionssprecher in Brüssel. Er reagierte damit auf Äusserungen des deutschen Wirtschaftsministers Philipp Rösler, der ein Ausscheiden Athens aus der Euro-Zone angesichts der Lage nicht mehr für unwahrscheinlich hält.

Die EU verlangt von Griechenland aber schnelles Handeln, weil das Land bei der Umsetzung der zugesagten Reformen und Sparauflagen im Rückstand sei. «Die griechischen Behörden wissen, dass sie die verlorene Zeit aufholen und schnell handeln müssen», sagte der Sprecher. Die Entscheidung über die Auszahlung der nächsten Kredittranche an Athen werde im September fallen. Bis dahin sei das Land finanziert.

Geldgeber stellen sich quer

Im Sanierungsprogramm Griechenlands klafft laut «Süddeutscher Zeitung» erneut ein Loch in zweistelliger Milliardenhöhe, das Athen durch noch mehr Sparen stoppen könne. Jedoch hatten die seit Juni regierenden Parteien zusätzliche Belastungen für die Bevölkerung ausgeschlossen. Die Euro-Partner könnten andererseits weitere Darlehen von bis zu 50 Milliarden Euro bereitstellen.

Die Geldgeber, allen voran Deutschland, sind dem Blatt zufolge aber nicht mehr bereit, der Regierung in Athen über die bisherigen Zusagen hinaus zu unterstützen. Die Zeitung zitierte aus Berliner Regierungskreisen, es sei «undenkbar, dass Kanzlerin Angela Merkel noch einmal vor den Bundestag tritt und um Zustimmung für ein drittes Griechenland-Paket bittet».

Spanien rutscht weiter in die Rezession

Die Wirtschaft in Spanien hat nach Ansicht der Notenbank auch im zweiten Quartal kräftig an Fahrt verloren. Das Bruttoinlandprodukt sei zwischen April und Juni voraussichtlich um 0,4 Prozent zum Vorquartal geschrumpft, teilte die Zentralbank in ihrem Monatsbericht mit.

Bereits zum Jahresanfang hatte es ein Minus von 0,3 Prozent gegeben. Damit beschleunigt die Konjunktur in dem hoch verschuldeten Land ihre Talfahrt weiter. Erschwerend hinzu kommen die finanziellen Schwierigkeiten der spanischen Provinzen. Nach Valencia hat nun auch die Region Murcia Finanzhilfen der Zentralregierung beantragt.

Madrid will nicht unter den Rettungsschirm

Dennoch schliesst die Regierung in Madrid umfassende Hilfen der EU weiterhin kategorisch aus. Auf die Frage, ob Spanien möglicherweise ganz unter den EU-Rettungsschirm schlüpfen könnte, sagte Wirtschaftsminister Luis de Guindos: «Absolut nicht.»

Bislang ist ein Milliarden-Paket für den kriselnden Bankensektor beschlossen. Das Platzen der Immobilienblase hat der Branche hart zugesetzt. Spanien kämpft derzeit mit extrem hohen Refinanzierungskosten an den Finanzmärkten und musste bereits für seine angeschlagenen Banken Milliarden-Hilfen vom Euro-Rettungsfonds EFSF beantragen. Die offiziellen BIP-Daten sollen am 30. Juli veröffentlicht werden.

(tno/rcv/sda/awp)