Die Wirtschaft in der Eurozone ist im zweiten Quartal wegen der schwachen Entwicklung in den Krisenländern geschrumpft. Die deutsche Wirtschaft wuchs nicht mehr stark genug, um einen Rückgang der Wirtschaftsleistung im Währungsraum insgesamt zu verhindern.

In der Eurozone sei das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,2 Prozent zum Vorquartal gesunken, teilte die Statistikbehörde Eurostat in Luxemburg auf Basis vorläufiger Daten mit. Volkswirte hatten dies erwartet. Im ersten Quartal hatte die Wirtschaft der Eurozone noch stagniert.

Zum entsprechenden Vorjahreszeitraum fiel die Wirtschaftsleistung der Eurozone laut Eurostat wie erwartet um 0,4 Prozent. Im Vorquartal hatte die Wirtschaft auch im Jahresvergleich stagniert. Ökonomen erwarten angesichts der anhaltenden Schuldenkrise und der sich abschwächenden Weltwirtschaft zudem eine Fortsetzung der Schwächephase.

Nur noch wenige Länder wachsen

Immerhin wurde durch das deutsche Wirtschaftswachstum ein noch stärkeren Rückgang der Wirtschaftsleistung verhindert. Das deutsche BIP war im zweiten Quartal um 0,3 Prozent zum Vorquartal gewachsen, während Volkswirte nur ein Plus von 0,2 Prozent erwartet hatten. In den Monaten April bis Juni habe es sowohl vom Konsum als auch vom Exporten positive Impulse gegeben, hiess es vom Statistischen Bundesamt.

Allerdings ging auch in der grössten Volkswirtschaft Europas die Dynamik zurück. Im ersten Quartal war die Wirtschaftsleistung noch um 0,5 Prozent gewachsen. Den stärksten BIP-Zuwachs erzielte jedoch die Slowakei mit einem Wachstum von 0,7 Prozent. Die Niederlande und Österreich kamen auf moderate Wachstumsraten von jeweils 0,2 Prozent.

Mit Frankreich stagnierte die zweitgrösste Volkswirtschaft der Eurozone. Deutliche Rückgänge gab es im Vergleich zum Vorquartal vor allem in den südeuropäischen Krisenländern ( Portugal: -1,2 Prozent, Italien: -0,7 Prozent, Spanien: -0,4 Prozent). Aber auch in finanzpolitisch soliden Ländern der Eurozone wie Finnland (-1,0 Prozent) und Belgien (-0,6 Prozent) schrumpfte die Wirtschaftsleistung. In Irland wurden die Daten für das zweite Quartal noch nicht erhoben.

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Griechen schrumpfen weniger stark

In Griechenland schrumpfte die Wirtschaft im zweiten Quartal erneut deutlich. Die Regierung in Athen meldete bisher aber nur Wachstumsdaten im Jahresvergleich und nicht im Quartalsvergleich wie die meisten der übrigen Euroländer. So ergab sich für Griechenland einen Rückschlag um 6,2 Prozent zum Vorjahresquartal.

Laut Postbank befindet sich die Währungsunion in einer «ausgeprägten Schwächephase». Diese dürfte auch so schnell nicht zu überwinden sein. In der zweiten Jahreshälfte erwartet die Postbank eine Stabilisierung, «aber noch keinen Aufschwung der diese Bezeichnung verdient».

«Ende der Talfahrt nicht in Sicht»

Noch skeptischer zeigte sich Commerzbank-Volkswirt Christoph Weil: «Ein Ende der Talfahrt ist nicht in Sicht. Für das dritte Quartal zeichnet sich sogar ein noch stärkeres Minus ab.» Der Rückstand der Peripherieländer zu Deutschland dürfte sich noch vergrössern. «Zum einen wirken die Reformen in der Peripherie erst mit einer zeitlichen Verzögerung von zwei bis drei Jahren. Zum anderen scheint der Reformeifer in den Krisenländern merklich abzunehmen», sagte Experte Weil.

Auch die vom Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) erhobenen Konjunkturerwartungen signalisieren keine Trendwende. Der Indikator für die Eurozone liegt im August mit minus 21,2 Punkten trotz eines leichten Anstiegs weiter deutlich im roten Bereich. «Die Finanzanalysten bleiben skeptisch, was den deutschen Wirtschaftsausblick angeht», sagte Christian Schulz, Ökonom der Berenberg Bank. Die Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB), unter Umständen wieder Anleihen von Krisenländern zu kaufen, habe nicht ausgereicht, um die Stimmung zu drehen.

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(vst/muv/awp)