Es sind Zahlen, die Hoffnung machen: Die Wirtschaftsleistung der Euro-Zone hat im Frühjahrsquartal um 0,3 Prozent gegenüber den ersten drei Monaten des Jahres zugelegt. Das meldete heute das Statistikamt Eurostat. Zuvor hatte es sieben Rückgänge in Folge gegeben - so viele wie noch nie seit Einführung der Gemeinschaftswährung.

Zu verdanken ist die Rückkehr zum leichten Wachstum vor allem den beiden Euro-Schwergewichten: Sowohl Deutschland als auch Frankreich verzeichneten im Frühling eine deutlich stärkere Erholung, als das von den Beobachtern im Schnitt erwartet worden war. In Deutschland legte das Bruttoinlandsprodukt dank der starken Binnenkonjunktur um 0,7 Prozent zu, in Frankreich um 0,5 Prozent.

«Die Lokomotive steht wieder unter Dampf» 

„Die Lokomotive der Eurozone steht damit wieder unter Dampf“, sagte Andreas Scheuerle, Ökonom bei der Dekabank, mit Blick auf die positiven Daten aus Deutschland. Zulegen konnte vor allem der KFZ-Handel, der von steigenden Neuzulassungen profitierte. In Frankreich gaben die Dienstleister erstmals wieder positive Impulse. Nach der positiven Entwicklung in der Industrie spreche dies für eine breitere Erholung, kommentierte Unicredit-Expertin Tullia Bucco. Zusammen erwirtschaften Deutschland und Frankreich fast die Hälfte der gesamten Euro-Wirtschaftsleistung. 

Weil die Schweiz zu den Ländern mit den höchsten Anteilen des Aussenhandels am Wachstum gehört, ist die Erholung in den Euro-Nachbarstaaten von besonderer Bedeutung. Rund ein Fünftel aller Exporte gehen nach Deutschland. Die 27 Länder der EU nehmen fast 60 Prozent aller Schweizer Ausfuhren ab.

Portugals Wirtschaft wächst am stärksten

Positiv bewerteten Beobachter zudem, dass sich die Rezession in einigen Problemländern teils deutlich abschwächte. In Italien und Spanien schrumpfte das BIP mit 0,2 beziehungsweise 0,1 Prozent nur noch leicht. In den Niederlanden gab es ebenfalls ein Minus von 0,2 Prozent - das kleinste in den vergangenen vier Quartalen.

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Besonders positiv stach Portugal hervor: Dort legte das BIP im Vorquartalsvergleich gar um 1,1 Prozent zu - und damit stärker als irgendwo sonst in Europa. «Nach vorne blickend scheint die Euro-Zone auf Kurs», kommentierte Nordea-Volkswirt Holger Sandte. 

Probleme bleiben gravierend

Die mögliche Erholung sei aber anfällig für Schocks, so Sandte. Weil die Privatwirtschaft noch immer ihre hohen Schulden abbaue, seien die Bedingungen für einen sich selbst tragenden Aufschwung noch nicht gegeben - im Gegensatz etwa zur US-Wirtschaft. 

Denn das grösste Problem, die teils dramatisch hohe Arbeitslosigkeit in vielen Teilen Südeuropas, bleibt bestehen. In Griechenland und Spanien steuern die Raten auf die Marke von 30 Prozent zu. Die EU-Kommission gab sich am heutigen Mittwoch dennoch optimistisch. «Die Erholung ist in Reichweite», liess der finnische EU-Währungskommissar Olli Rehn verlautbaren.