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Eurobonds: Fluch oder Segen?

Eurogruppen-Chef Juncker: Ein Befürworter von Eurobonds. (Bild: Keystone)

Eurobonds - über kaum etwas anderes wird in der Euro-Schuldenkrise so heftig gestritten. Was die einen als Rettung der Währungsunion preisen, halten andere für deren Untergang.

Veröffentlicht am 14.08.2011

Eurobonds – ja oder nein: Die Meinungen dazu gehen weit auseinander. Wie aber  würden diese gemeinsamen europäischen Staatsanleihen überhaupt funktionieren?

Laut einem Plan aus Brüssel würde eine noch zu gründende europäische Schuldenagentur Anleihen begeben, für die alle Euroländer gemeinsam haften würden. Die Idee: Hoch verschuldete Krisenländer wie Griechenland und Italien könnten sich - dank Eurobonds - am Rentenmarkt wieder zu relativ günstigen Konditionen Kredite besorgen.

Laut Befürwortern wie Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker soll parallel ein Anreizsystem für verschuldete Euroländer geschaffen werden, ihr Defizit abzubauen. Denn Kritiker warnen: Der Anreiz, sich auf Kosten anderer zu verschulden, würde sich durch eine gemeinsame Haftung massiv erhöhen.

Eurobonds sollen nationale Staatsanleihen ergänzen, aber nicht ersetzen: Die Papiere sollen einen Teil der nationalen Schulden auf europäischer Ebene bündeln. Ein grosser Teil der Schulden soll aber nach wie vor zu nationalen Zinssätzen verzinst werden, wie Juncker betont. Dies sieht er als Weg, die Spekulationen an den Finanzmärkten gegen den Euro dauerhaft zu stoppen.

Für reiche Länder problematisch

Solide Länder wie Deutschland lehnen den Vorschlag auch deshalb ab, weil Eurobonds ihre Bonität belasten dürften. Schliesslich sässe Deutschland dann erst Recht mit Griechenland und anderen hochverschuldeten Ländern in einem Boot. Dies würde zu höheren Zinsen führen.

Ausserdem würden dann - so formulieren es die Eurobonds-Gegner - deutsche Steuerzahler für Schulden anderer mithaften, die zuvor über ihre Verhältnisse gelebt haben - und nicht wie derzeit davon profitieren, dass deutsche Staatsanleihen sehr gefragt und damit für den Staat günstig sind.

Arme Länder am Euro-Tropf

Umstritten ist auch, wie realistisch es ist, dass langfristig nationale Bonds neben europäischen bestehen können. Experten befürchten, dass ein Grossteil der Anleger in den vermeintlich sicheren Hafen einer europäischen Gemeinschaftsanleihe flüchten würde.

Neue Anleihen aus Ländern wie Griechenland und Portugal würden dann kaum noch oder gar nicht mehr gezeichnet. Im Endeffekt - so die Befürchtung - wären diese Länder zur Finanzierung ihrer Nettokreditaufnahme vollständig auf Eurobonds angewiesen.

(cms/sda)

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