Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) warnt vor einer Kreditklemme in Schwellenländern im Sog der Euro-Krise. Am meisten bedroht sind nach Ansicht des Basler Instituts Länder wie Kroatien, Tschechien, Ungarn und Rumänien.

Etwa 80 Prozent ihrer ausländischen Bank-Schulden liegen bei europäischen Adressen, heisst es im am Quartalsbericht der «Zentralbank der Zentralbanken».

Auch andere Banken in der Eurozone dürften demnach noch über mehrere Jahre Mühe bei der Refinanzierung ihrer mittel- und langfristigen Verbindlichkeiten haben. Dadurch steige die Gefahr, dass die Banken weniger neuen Kredite vergeben und Mittel aus aufstrebenden Ländern abziehen.

Schon heute Schwierigkeiten

Bereits jetzt können Euro-Banken an den Finanzmärkten nicht mehr so viel Geld aufnehmen wie sie zur Rückzahlung fälliger Anleihen benötigen. «Gerade Finanzinstitutionen mit Sitz in Europa hatten Schwierigkeiten, neue Schuldverschreibungen zu platzieren, da die Anleger höhere Risikoprämien verlangten», diagnostizierte die BIZ mit Blick auf das dritte Quartal.

Das Netto-Emissionsvolumen der Banken ist laut den BIZ-Zahlen seit der Jahresmitte negativ. Der Markt für unbesicherte mittelfristige Finanzierungen sei faktisch geschlossen. Und US-Geldmarktfonds fahren ihre Geschäfte mit Euro-Banken zurück aus Angst, in den Strudel der Euro-Schuldenkrise zu geraten.

Die Liquiditätshilfen der Europäischen Zentralbank (EZB) verschaffen den Banken demnach zwar Zeit, die mittelfristigen Probleme würden dadurch aber nicht gelöst.

Ende 2014 werden nach BIZ-Angaben Bankenverbindlichkeiten im Volumen von fast 2000 Milliarden Dollar fällig. Etwa 13 Prozent davon seien staatlich garantierte Schulden, die die Banken 2009 aufgenommen hatten. Diese Schulden zu vernünftigen Konditionen zu refinanzieren, könnte sich als schwierig erweisen, warnte die BIZ.

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Bereits Kreditzinsen erhöht

Die Refinanzierungsprobleme, zu denen der Zwang zur Erhöhung des Eigenkapitals kommt, dürften nach Einschätzung der BIZ innerhalb und ausserhalb Europas nicht ohne Folgen bleiben.

Viele Banken hätten bereits die Zinsen für Kredite an Unternehmen und Haushalte erhöht und die Konditionen verschärft. Der Weltmarkt-Anteil der Euro-Banken bei internationalen Konsortialkrediten sank im Oktober auf 18 Prozent von 26 ein Jahr zuvor.

Im Geschäft mit aufstrebenden Ländern schränken die in der Klemme steckenden Euro-Banken zum Beispiel Handelsfinanzierungen ein. Vor allem französische Banken hätten Geld aus den Schwellenländern zurückgeholt, erklärte die BIZ. Auch der Rückgang der Aktienkurse in Märkten Lateinamerikas und Asiens im September dürfte dieser Entwicklung geschuldet sein.