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Massnahmen
Europas Notenbanken wappnen sich für den Brexit

Zentrale der EZB in Frankfurt: Vorbereitungen für Brexit-Abstimmung laufen auf Hochtouren. Keystone

Bei einem britischen EU-Austritt erwarten Börsianer Marktturbulenzen. Das Hauptziel der Notenbanken wäre die Sicherstellung der Geldversorgung mittels Devisen-Tausch. Doch es gibt noch weitere Mittel.

Veröffentlicht am 21.06.2016

Die Furcht vor massiven Finanzmarktturbulenzen nach einem Brexit-Votum versetzt die Europäische Zentralbank (EZB) in Habachtstellung. »Wir schauen uns das Risiko jeden Tag an und alle Zentralbanken, nicht nur die EZB, sind bereit zu intervenieren mit den konventionellen Mitteln, die sie haben», sagte unlängst EZB-Ratsmitglied Ignazio Visco.

Wie Italiens Notenbank-Chef werden auch die Gouverneure anderer Euro-Länder nicht müde zu betonen, dass im Frankfurter EZB-Turm für alle Fälle vorgesorgt wird. Experten zufolge sind vor allem Devisen-Swap-Vereinbarungen ein Mittel, um Finanzmärkte zu beruhigen. Daneben kommen aber auch abgestimmte Interventionen mit anderen Notenbanken sowie Zinssenkungen in Betracht.

Franken und Yenwürden aufwerten

«Sollten die Briten für einen Ausstieg des Landes aus der EU stimmen, wäre ein starker Einbruch des Pfund wahrscheinlich», warnt Devisenspezialist Michael Rottmann von der italienischen Grossbank UniCredit. Zudem könnten Experten zufolge der Schweizer Franken oder der japanische Yen kräftig aufwerten, die für Investoren in Zeiten von Unsicherheit häufig als sicherer Hafen gelten.

Laut Österreichs Notenbank-Chef Ewald Nowotny könnte die EZB geltende Devisen-Swap-Vereinbarungen mit der Bank von England aktivieren, um beruhigend auf die Finanzmärkte einzuwirken. Im Kern handelt es sich dabei um gegenseitige Liquiditätshilfen. Die EZB stellt dabei der britischen Notenbank Euro-Liquidität zur Verfügung - die Bank von England der EZB wiederum Pfund.

Devisen-Tausch-Abkommen

So soll sichergestellt werden, dass sich Geldhäuser in Grossbritannien und im Euro-Raum gegen Sicherheiten von ihren Notenbanken ausreichend Pfund oder Euro leihen können. Devisen-Swap-Vereinbarungen sind somit Schutzschirme, um ein Austrocknen des Geldmarktes zu verhindern. Die Euro-Notenbank hatte während der weltweiten Finanzkrise ähnliche Swap-Vereinbarungen mit der US-Notenbank Fed genutzt, als damals Engpässe drohten.

«Die Notenbanken sorgen dafür, dass die Verfügbarkeit von Liquidität auch in Situationen grosser Marktturbulenzen nicht abbricht», erklärt ein Volkswirt einer grossen Landesbank, der nicht namentlich genannt werden will. Durch Bereitstellung ausreichender Devisen-Kreditlinien soll vermieden werden, dass Banken in Situationen geraten, in denen sie etwa Zahlungsverbindlichkeiten in fremder Währung nicht mehr nachkommen können. «Die Notenbank dreht daher rechtzeitig den Hahn auf, um die Situation nicht schlimmer werden zu lassen.»

Engere Zusammenarbeit

Nach Einschätzung der Commerzbank könnte die Sorge vor einer erneuten Finanzkrise die grossen Notenbanken sogar noch enger zusammenschweissen. «Mit gemeinsamen Interventionen am Devisenmarkt würden die Zentralbanken ein Signal setzen, dass sie jederzeit bereitstehen, die Stabilität der Finanzmärkte zu erhalten», so die Devisen-Experten des Bankhauses.

Solche Massnahmen sind aber umstritten, da sich die sieben führenden Industriestaaten schon seit längerem darauf verständigt haben, keine aktive Devisenpolitik zu betreiben. Nach Einschätzung der Commerzbank könnte bei einem Brexit aber auch die US-Notenbank zu solch einem Schritt bereit sein und mit ins Boot springen. Denn der starke Dollar macht den US-Unternehmen das Leben bereits jetzt schwer.

Höhere Strafgebühren

Während Experten zufolge die Sicherstellung der Geldversorgung kurzfristig das Hauptziel ist, stellen sich manche Händler vorsorglich auch auf eine Zinssenkung der EZB bis zum Jahresende ein. Die Währungshüter hatten den Einlagenzins im März bereits auf minus 0,4 Prozent gesetzt - ein neues Rekordtief.

Die Strafgebühr für das Parken von Geld bei der EZB könnte noch verschärft werden, wenn ein EU-Austritt Grossbritanniens den ohnehin zögerlichen Aufschwung in Europa ins Stocken bringen sollte: «Die Aussichten auf einen Brexit nähren Sorgen mit Blick auf die Wirtschaft», so Commerzbank-Ökonom Rainer Gunthermann. Dies wiederum löse Spekulationen über eine noch lockerere Geldpolitik aus.

(reuters/gku)

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