Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, hat weitere Unterstützung für die Krisenstaaten der Eurozone signalisiert. Die Finanzmärkte versetzte er mit seinen klaren Worten in Jubelstimmung.

«Die EZB wird im Rahmen ihres Mandats alles Notwendige tun, um den Euro zu erhalten», sagte Draghi bei einer Rede in London. «Und glauben Sie mir - das wird ausreichen.» Wichtiger noch als die demonstrative Entschlossenheit werteten Händler Aussagen Draghis, die auf eine Wiederaufnahme des seit März ruhenden Anleihekaufprogramms der EZB hindeuten könnten.

Sollten hohe Risikoaufschläge für Staatsanleihen von Krisenländern die Wirkung der Geldpolitik stören, «fällt das in unser Mandat», sagte Draghi. Anleger und Experten spekulieren darauf, dass die EZB nun wieder Staatsanleihen von Krisenstaaten wie Spanien und Italien kauft und so deren extrem hohe Zinskosten drückt.

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Der EZB ist die direkte Staatsfinanzierung nach ihren Statuten verboten. Das tat sie aber bis Jahresanfang indirekt, indem sie Staatsanleihen im Wert von mehr als 200 Milliarden Euro am Markt erwarb und so die Kreditkosten der Krisenländer drückte. Da die Zinsen von Italien und Spanien inzwischen auf Rekordhöhen gestiegen sind, wächst aber der Druck auf die EZB, wieder aktiv zu werden.

Eurokurs schiesst nach oben

Die Finanzmärkte reagierten regelrecht euphorisch auf die Äusserungen Draghis. Der Eurokurs schoss in der Folge um mehr als 1,5 Cent in die Höhe und übersprang die Marke von 1,23 US-Dollar.

Am stärksten profitierten die angespannten Anleihemärkte der Krisenstaaten Spanien und Italien: Im längeren und richtungsweisenden Laufzeitbereich von zehn Jahren sank die Rendite für spanische Staatsanleihen erstmals seit einer Woche wieder unter die kritische Marke von 7 Prozent. Bei kurzlaufenden Titeln von zwei Jahren gaben die Renditen sowohl in Spanien als auch Italien noch kräftiger um mehr als einen halben Prozentpunkt nach.

Der deutsche Leitindex Dax stieg nach den Aussagen Draghis deutlich und notierte um 16 Uhr mit 2 Prozent im Plus, nachdem er am Vormittag noch im Minus gelegen hatte. Der Swiss Market Index (SMI) stand zur gleichen Zeit mit 1,5 Prozent im Plus. Der Dow Jones stieg zu Handelsbeginn ebenfalls deutlich um über 1,8 Prozent.

(tno/rcv/sda)