Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am Donnerstag den Leitzins für den Euroraum von 1,25 auf 1,5 Prozent erhöht. Das ist bereits die zweite Erhöhung in diesem Jahr.

Zuletzt hatte die EZB den Leitzins im April um 0,25 Prozentpunkte angehoben. Davor hatte der Leitzins seit dem 13. Mai 2009 auf dem historischen Rekordtief von 1,0 Prozent gelegen.

Der Zinsschritt war allgemein erwartet worden, da EZB-Chef Jean-Claude Trichet bereits Anfang Juni angekündigt hatte, «höchste Wachsamkeit» in Bezug auf die Preisentwicklung im Euroraum zu gewährleisten. Diese Aussage wird gemeinhin als Codewort für eine weitere Erhöhung angesehen.

Mit dem zweiten kleinen Zinsschritt binnen drei Monaten setzen die Währungshüter ihren allmählichen Ausstieg aus der Krisenpolitik des extrem billigen Geldes fort. Sie versuchen damit die Teuerung in Zaum halten. Die Inflationsrate liegt mit 2,7 Prozent im Juni deutlich über der angestrebten Zielmarke von knapp unter zwei Prozent.

Trichet betonte am Donnerstag aber, dass der Zinsschritt nicht sofort seine Wirkung entfalten wird. «In den kommenden Monaten werden die Teuerungsraten wahrscheinlich deutlich erhöht bleiben», sagte der EZB-Präsident in Frankfurt. Er verteidigte gleichzeitig die Entscheidung der EZB als «notwendige Anpassung im Lichte der Aufwärtsrisiken für die Preisstabilität».

Höhere Zinsen helfen im Kampf gegen die Inflation: Kredite werden tendenziell teurer, das mindert die Neigung von Unternehmen und Konsumenten auf Pump zu investieren und zu konsumieren. Da die deutsche Wirtschaft brummt, halten Ökonomen höhere Zinsen schon seit längerem für erforderlich, um eine Überhitzung mit Blasenbildungen an den Märkten zu vermeiden.

Andererseits könnten höhere Zinsen die Wirtschaftserholung in den europäischen Schuldenländern zusätzlich erschweren. Dort bremsen rigide Sparauflagen den Aufschwung ohnehin. Die britische Notenbank etwa hält ihren Leitzins unverändert auf dem Rekordtief von 0,5 Prozent.

Noch während Trichets Pressekonferenz zog der Euro deutlich an und kam kurzzeitig bei über 1,21 Franken zu stehen.

(rcv/laf/cms/awp)