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EZB lässt Leitzins unverändert - Hilfe für Banken

Die EZB präsentiert zum letzten Mal unter der Leitung von Jean-Claude Trichet ihren Leitzins-Entscheid. (Bild: Keystone)

Die Spekulationen haben sich als falsch erwiesen: Die Europäische Zentralbank hat den Leitzins bei 1,5 Prozent belassen. Jean-Claude Trichet kündigte bei seiner letzten Ratssitzung als EZB-Chef ausser

Veröffentlicht am 06.10.2011

Jean-Claude Trichet bleibt seiner Linie bis zuletzt treu: Auf seiner letzten Ratssitzung als Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) hielt der Franzose den Forderungen nach einer Zinssenkung angesichts der Staatsschuldenkrise und der drohenden Rezession stand. Der EZB-Rat beschloss bei seiner auswärtigen Sitzung in Berlin, den Leitzins im Euro-Raum bei 1,5 Prozent zu belassen.

Das von zahlreichen Ökonomen geforderte Abschiedsgeschenk, die jüngsten Zinserhöhungen von 1,0 auf nun 1,5 Prozent zurückzunehmen, blieb damit aus. Bei einer Inflation von 3,0 Prozent hätte das wohl auch die Glaubwürdigkeit der Währungshüter untergraben, deren oberstes Ziel stabile Preise sind - zumal sie die Zügel erst im Juli angezogen hatten, wie Commerzbank-Ökonom Michael Schubert betont.

Allerdings dürfte die Notenbank weiter massiv am Anleihenmarkt Papiere klammer Staaten aufkaufen, um die Zinslast der Schuldensünder zu senken. Zudem wird sie die Geschäftsbanken weiter unbegrenzt mit billigem Geld ausstatten, um ein Austrocknen des Kreditmarktes zu verhindern.

«Wir müssen Preisstabilität garantieren»

Vor allem die unerwartet hohe Inflation im September dürfte die Notenbank dazu bewegt haben, den wichtigsten Zins zur Versorgung der Geschäftsbanken im Euro-Raum mit Zentralbankgeld nicht wieder zu senken. Denn die Teuerung liegt auf dem höchsten Stand seit drei Jahren und weit über dem Zielwert der Währungshüter.

Die EZB sieht Preisstabilität bei eine Jahresteuerung knapp unter 2 Prozent gewahrt. «Wir haben nur eine Nadel im Kompass. Wir müssen Preisstabilität garantieren», sagte Trichet im Laufe seiner achtjährigen Amtszeit immer wieder.

«Die jüngsten Zahlen zur Inflationsentwicklung dürften den Befürwortern einer Rücknahme der vorangegangenen Zinserhöhungen durch die EZB den Wind aus den Segeln nehmen», hatte Postbank-Volkswirt Marco Bargel deshalb prophezeit. Niedrige Zinsen verbilligen Kredite. Das erhöht die Investitionsneigung von Unternehmen und die Konsumfreude der Verbraucher - und kurbelt so die Konjunktur an. Damit befeuern niedrige Zinsen aber gleichzeitig die Inflation.

Trotz der Zinspause bleibt die Notenbank im Krisenmodus. Es gilt als sicher, dass sich die Währungshüter die Option offenhalten, weitere Staatsanleihen klammer Euro-Länder zu kaufen. Aktuell hat die EZB Anleihen im Wert von 160,5 Milliarden Euro in den Büchern.

Unterstützung für Banken

Zudem greift die EZB angesichts der drohenden Bankenkrise den Finanzinstituten unter die Arme. Sie stellt den Banken Geld mit besonders langer Laufzeit von einem Jahr zur Verfügung und will wieder sogenannte gedeckte Anleihen wie Pfandbriefe kaufen.

Das Volumen der Ankäufe bezifferte Trichet auf 40 Milliarden Euro. Damit reaktiviert die EZB Instrumente aus der Zeit der Finanzkrise. Mit den Massnahmen sollen Liquiditätsengpässe im Finanzsektor vermieden werden.

Angesichts der Milliarden-Engagements der Geschäftsbanken in Staatspapieren europäischer Krisenländer ist das Misstrauen der Banken untereinander gewachsen. Das zeigen die grossen Summen, die die Finanzinstitute derzeit bei der EZB hinterlegen, anstatt das Geld für höhere Zinsen an eine andere Bank zu leihen.

Trichet forderte die Banken auf, ihre Bilanzen und ihre Eigenkapitalbasis zu stärken. Falls nötig, sollten die Institute auf Regierungsmassnahmen zurückgreifen. «Die Situation auf dem Bankensektor erfordert besondere Aufmerksamkeit», sagte Trichet.

(tno/vst/awp)

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