Die Ratingagentur Fitch hat die Kreditwürdigkeit Ungarns laut Mitteilung von «BBB-» auf «BB+» herabgestuft. Damit senkte die Agentur die Bewertung des von der Pleite bedrohten EU-Staates auf die erste Stufe unterhalb der Ramsch-Grenze. Ausserdem setzte Fitch den Ausblick auf «Negativ». Damit überwiegen in den kommenden Monaten die Chancen einer weiteren Absenkung.

Die Herabstufung sei eine Reaktion auf die schwere Finanzkrise des Landes und die schlechten Wachstumsaussichten, hiess es in einer Mitteilung von Fitch. Die zuletzt «unorthodoxe Wirtschaftspolitik» des Landes untergrabe das Vertrauen der Investoren, hiess es weiter. Ausserdem erschwere die jüngste Wirtschaftspolitik der Regierung in Budapest eine Übereinkunft mit den Kreditgebern vom Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Union.

Ungarns Regierung zeigte sich in einer ersten Stellungnahme überrascht von der Herabstufung durch Fitch. Zuletzt habe sich der Kurs des ungarischen Forint nach einer rasanten Talfahrt wieder stabilisiert und die Kurse der Kreditausfallversichungen hätten sich verbessert, sagte Regierungssprecher Andras Giro-Szasz.

Orban dringt auf Einigung

Wegen der aggressiven Wirtschaftspolitik von Ministerpräsident Viktor Orban - zuletzt sicherte sich der Rechtsnationalist den Zugriff auf die Notenbank - wollen IWF und Europäische Union derzeit noch keine offiziellen Verhandlungen mit Budapest über die Gewährung eines bitter benötigten Kredits aufnehmen.

Angesichts der drohenden Staatspleite dringt Orban nun auf eine möglichst schnelle Einigung mit der EU und IWF. «Die ungarische Regierung hat alles getan, damit die IWF-EU-Verhandlungen so bald wie möglich begonnen und abgeschlossen werden können», erklärte Orban in Budapest.

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Dort hatte er sich zuvor mit Notenbankchef Andras Simor getroffen, mit dem der Regierungschef wegen eines auch von der Europäischen Zentralbank (EZB) kritisierten Zentralbankgesetzes überkreuz liegt. Beobachter hielten es daher für bemerkenswert, dass Simor zwei Stunden lang in die Spitzenrunde beim Ministerpräsidenten einbezogen war.

Forint ein Fünftel weniger wert

Der Notenbankchef erklärte in einer getrennten Stellungnahme, er werde sich künftig regelmässig mit dem Wirtschaftsminister treffen und «alle verfügbaren Instrumente zur Stabilisierung der Wirtschaft nutzen». Zwar nannte Simor keine Details, doch gehören etwa Interventionen am Devisenmarkt oder Leitzinserhöhungen zum Arsenal der Notenbank im Kampf gegen die Krise.

Das Nicht-Euro-Mitglied Ungarn hat derzeit grosse Probleme, seine Staatsschulden zu finanzieren. Die nationale Währung Forint verlor seit dem Sommer ein Fünftel seines Wertes und selbst kurzfristig kann sich das Land auf dem Geldmarkt nur für Zinsen von fast 10 Prozent neues Kapital leihen.

(tno/chb/sda/awp)