Frankreich rutscht wenige Monate vor der Präsidentenwahl in eine Rezession. Die französische Statistikbehörde Insee teilte mit, dass die Wirtschaftsleistung im vierten Quartal um 0,2 Prozent schrumpfen werde. Im dritten Quartal wuchs die zweitgrösste Volkswirtschaft der Euro-Zone noch um 0,4 Prozent.

Für das erste Vierteljahr 2012 geht Insee von einem Minus um 0,1 Prozent aus. In den Folgequartalen sollte das Wachstum mit je 0,1 Prozent leicht positiv ausfallen. Die Entwicklung entspricht einer sogenannten «technischen Rezession», also zwei aufeinander folgenden Quartalen mit leicht negativen Wachstumsraten.

47'000 Jobs mehr sollen verloren gehen

Als erster Kernland der Eurozone hatten vergangenen Woche die Niederlande ein Abrutschen in die Rezession gemeldet.

Die Wirtschaftsentwicklung wird sich nach der Prognose von Insee auch auf den Arbeitsmarkt durchschlagen. Nachdem in der zweiten Jahreshälfte 2011 14'000 Arbeitsplätze gestrichen worden seien, würden in den ersten sechs Monaten des kommenden Jahres weitere 61'000 Jobs verloren gehen, teilten die Statistiker mit.

Anzeige

In Frankreich findet am 22. April die Präsidentenwahl statt. Eine zweite Runde ist für den 6. Mai angesetzt. Die Wirtschafts- und Schuldenkrise in Europa ist schon jetzt das wichtigste Wahlkampfthema.

Geschäftsklima trübt sich etwas weniger als erwartet ein

Die Stimmung der Unternehmer in Frankreich verschlechterte sich derweil im Dezember den sechsten Monat in Folge. Allerdings fiel die Eintrübung etwas schwächer aus als von Experten erwartet. Das Geschäftsklima sei von revidierten 96 Punkten im Vormonat auf 94 Punkte gesunken, teilte die Insee in Paris mit.

Ökonomen hatten mit einem Rückgang auf 93 Punkte gerechnet. Als Vormonatswert hatte die Behörde zunächst 95 Punkte ermittelt.

Frankreich im Fokus der Ratingagenturen

Die düsteren Konjunktur-Aussichten kommen höchst ungelegen: Denn Frankreich steht derzeit im Fokus der Ratingagenturen. Sowohl Moody's als auch Standard & Poor's haben das Land unter verschärfter Beobachtung. Beide Agenturen drohen, Frankreichs Spitzenbonitätsnote «AAA» zu kassieren.

Die Analysten der Commerzbank haben zum Wochenausklang bereits eine provisorische Warnung ausgegeben: «Die Ratingfront sollte heute genau beobachtet werden», heisst es in einem Tagesausblick. «Es ist wieder einmal Freitag, und inzwischen wissen wir, dass Ratingagenturen freitagabends gerne Ratings senken.»

(tno/vst/sda/awp)