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Führende Ökonomen werden zu Euro-Pessimisten

Keiner der Ökonomen geht mehr zu 100 Prozent von einem Überleben der Eurozone aus. (Bild: Keystone)

Ein Zerfall der Euro-Zone wird offenbar auch für die Chefökonomen führender internationaler Finanzinstitute immer wahrscheinlicher. Eine Umfrage ergab, dass ein Grossteil von ihnen das Szenario zumind

Veröffentlicht am 05.12.2011

Nichts ist mehr ausgeschlossen: 26 Ökonomen hat die «Financial Times Deutschland» («FTD») in ihrer monatlichen Zinsumfrage auch zur Zukunft der Eurozone befragt. Keiner von ihnen ist mehr zu 100 Prozent davon überzeugt, dass die Währungsunion die aktuelle Krise überlebt. Die grosse Mehrheit - 22 Ökonomen an der Zahl - gaben als Wahrscheinlichkeit für einen Kollaps der Eurozone einen Wert zwischen 10 und 30 Prozent an, lediglich zwei der Befragten, Anders Matzen von der schwedischen Nordea Bank und Ulrich Kater von der Dekabank gaben als Überlebenswahrscheinlichkeit Werte über 90 Prozent an (95 und 99 Prozent).

Am pessimistischsten ist man beim Investmentunternehmen Invesco mit Sitz in Atlanta. Chefökonom John Greenwood rechnet zu 70 Prozent damit, dass die Währungsunion die Euro-Krise nicht übersteht. Bei der italienischen Bank Intesa Sanpaolo ist Anna Grimaldi mit einer Zerfallswahrscheinlichkeit von 40 Prozent zumindest noch etwas optimistischer. Noch bis vor kurzem habe man ein solches Szenario noch für unmöglich gehalten, so Carsten Klude von der Privatbank M.M. Warburg & Co gegenüber der «FTD». Inzwischen habe sich das geändert. Die Wahrscheinlichkeit sei heute «vielleicht gering, aber definitiv höher als null Prozent», so der Ökonom. Er beziffert sie auf etwa 20 Prozent.

So sehen das auch die anderen Befragten. Die prekäre Situation in den Euro-Krisenstaaten hat sich inzwischen so sehr zugespitzt, dass man bei allen Finanzinstituten einen Kollaps des Euro als mögliches Szenario zumindest durchspielt. Nur wenn die schwächelnden Mitglieder mit harten Reformen etwa am Arbeitsmarkt, im Steuer- oder Sozialsystem durchgreifen, sei die Gemeinschaftswährung sicher. Diese Einschätzungen sind das Ergebnis von Zusatzfragen, die die Zeitung in ihrer Zinsumfrage stellt. Die Ergebnisse etwa zu Wachstum oder Inflation in der Eurozone werden am Dienstagveröffentlicht.

(laf/tno)

 

 

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