In Griechenland haben am Morgen massive Streiks begonnen. Millionen von Griechen wollen gegen das neue Milliarden-Sparprogramm der Regierung protestieren. Den Anfang machten die Busfahrer von Athen mit einer dreistündigen Arbeitsniederlegung. Es folgten die Seeleute. Keine Fähre lief aus dem Haupthafen des Landes in Piräus aus.

Zahlreiche Banken sowie die Post wurden ebenfalls bestreikt. Ministerien und Steuerämter blieben geschlossen. Im Flugverkehr werden erhebliche Behinderungen erwartet, weil auch die Fluglotsen streiken wollen. Die Streiks sind die massivsten seit Februar. Zu den Aktionen aufgerufen haben die Gewerkschaftsdachverbände des privaten und des staatlichen Bereichs. Nach eigenen Angaben vertreten sie zusammen mehr als drei Millionen Arbeitnehmer.

In Griechenland steht eine Einigung auf das neue gut 11,5 Milliarden Euro schwere Sparpaket weiter aus. Die genauen Details sind zwar noch nicht bekannt, die Gewerkschaften aber rechnen mit weiteren Kürzungen von Löhnen und Renten zwischen sechs und 20 Prozent. Nur wenn Athen die weiteren Sparauflagen erfüllt, die von der Geldgeber-Troika aus Internationalem Währungsfonds (IWF), EU-Kommission und Europäischer Zentralbank (EZB) geprüft werden, kann die Regierung mit einer weiteren Finanztranche von 31,5 Milliarden Euro rechnen. Andernfalls steht Griechenland vor dem Staatsbankrott.

Anzeige

In Athen und anderen Städten des Landes waren für den frühen Nachmittag Demonstrationen angesagt. Die Polizei zog bereits am Morgen starke Einheiten vor dem Parlamentsgebäude im Zentrum Athens zusammen, wie Augenzeugen berichteten.

Zusammenstösse in Madrid

Derweil sind Proteste gegen den Sparkurs der konservativen Regierung des spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy am Dienstagabend in Madrid eskaliert. Mehr als 60 Menschen wurden nach Medienberichten bei Auseinandersetzungen zwischen Polizisten und Demonstranten verletzt. Darunter seien 27 Sicherheitskräfte, teilte die Polizei am frühen Mittwochmorgen mit. 27 Menschen seien festgenommen worden.

An den Protesten, deren Ziel das Parlament war, hätten sich Tausende beteiligt. Die Polizei hatte den Zugang zum Parlament mit einem grossen Aufgebot an Sicherheitskräften abgeriegelt. Die Lage sei gegen 19 Uhr eskaliert, hiess es in spanischen Medienberichten, als Demonstranten versuchten Absperrungen in der Nähe des Abgeordnetenhauses zu durchbrechen. Die Sicherheitskräfte setzten Gummigeschosse und Schlagstöcke ein. Der Grossteil der Demonstranten blieb jedoch friedlich. Nach Mitternacht vertrieb die Polizei die letzten Protestierer ohne weitere Zwischenfälle.

Seit dem Nachmittag hatten sich Tausende, von denen viele nicht aus Madrid waren, in der Umgebung des Parlaments versammelt. Eine Initiative hatte dazu aufgerufen, das Parlament zu umzingeln. Der Aufruf war über soziale Netzwerke verbreitet worden.

Der Unmut der Menschen richtet sich gegen den rigiden Sparkurs Rajoys. Sie verlangen überdies die Ausarbeitung einer neuen Verfassung und den Rücktritt der Regierung. Sie werfen den Politikern auch vor, die Demokratie als Geisel genommen zu haben.

Anzeige

(tno/laf/sda/awp)