Die Stimmung unter den deutschen Firmenchefs ist so gut wie seit fast sechs Jahren nicht mehr. Der Ifo-Geschäftsklimaindex kletterte im März überraschend um 1,2 auf 112,3 Punkte. Das ist der höchste Wert seit Juli 2011.

Das teilte das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung am Montag zu seiner Umfrage unter 7000 Managern mit. Von Reuters befragte Ökonomen hatten erwartet, dass der wichtigste deutsche Frühindikator auf dem Vormonatsniveau verharrt.

Baubranche auf Niveau von 1991

«Der Aufschwung gewinnt an Kraft», sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die Firmenchefs bewerteten sowohl die Lage als auch die Aussichten für die kommenden sechs Monate besser als zuletzt.

Besonders in der exportabhängigen Industrie verbesserte sich die Stimmung. «Ein Grund für die sehr gute Entwicklung war eine erneut anziehende Nachfrage», sagte Fuest. Im Einzelhandel ging es ebenfalls nach oben, im Grosshandel trübte sich das Klima dagegen etwas ein. In der Baubranche zeigte das Barometer nach oben, wobei die Firmen ihre Lage so gut einschätzten wie noch nie seit 1991.

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Solides Wachstum in Sicht

«Wenn es läuft, läuft's», sagte der Europa-Chefökonom von Nordea, Holger Sandte. Die hohen Erwartungen deuteten darauf hin, dass stärker in Maschinen und andere Ausrüstungen investiert werden könnte. «Trotz aller politischer Umbrüche scheint sich der Konjunkturverlauf in einer goldenen Epoche zu befinden», sagte der Chefökonom der VP Bank, Thomas Gitzel. Es zeichne sich in diesem Jahr erneut ein solides Wachstum ab.

Die deutsche Wirtschaft profitiert derzeit von der Belebung der globalen Konjunktur, weshalb die Industrie zuletzt mehr exportierte und produzierte. Viele Institut haben deshalb ihre Wachstumsprognosen für dieses Jahr angehoben.

Politik als Unsicherheitsfaktor

Allerdings bleiben viele Risiken – von der Wahl in Frankreich über die Brexit-Verhandlungen mit Grossbritannien bis hin zu protektionistischen Massnahmen des wichtigsten deutschen Exportkunden USA unter Präsident Donald Trump. «Die politischen Unsicherheiten kommen bei der deutschen Wirtschaft nicht an», sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe.

(sda/jfr/gku)