Die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs sieht erste Fortschritte bei der Bewältigung der Eurokrise. Dennoch gehen die Bankökonomen davon aus, dass sich die Währungsunion weiter «durchwurstelt» und dem Risiko politischer Unruhen ausgesetzt bleibt.

Es gebe erste bemerkenswerte strukturelle Veränderungen zu beobachten, sagte Goldman-Sachs-Ökonom Dirk Schumacher während einer Konferenz der Grossbank am Dienstag in Zürich.

Zudem habe die Europäische Zentralbank mit ihren Anleihenkäufen die Lage stabilisiert. Dies sei notwendig gewesen, reiche aber noch nicht aus: «Wir sind noch nicht am Ende des Weges angelangt.»

«Reformmüdigkeit» sei ein grosses politisches Risiko. Die unter Einschnitten leidende Bevölkerung in Krisenländern sei der Versuchung ausgesetzt, den Euro für die Probleme verantwortlich zu machen. Die anstehenden Wahlen in Italien im Februar würden daher zu einem wichtiges Signal für die weitere Entwicklung.

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Kosten senken

Die von der Krise am meisten betroffenen Länder wie Spanien und Italien müssten im Interesse ihrer internationalen Wettbewerbsfähigkeit das Kostenniveau um bis zu 30 Prozent senken, sagte Schumacher weiter. Abwertung gehe als Euro-Mitglied ja nicht. Dies sei politisch sehr schmerzhaft, aber «machbar».

Für die Eurozone sieht Goldman Sachs eine «moderate Rezession» voraus, allerdings mit starken regionalen Unterschieden. Die Währungsgemeinschaft dürfte 2014 eine um 0,2 Prozent schrumpfende Wirtschaftsleistung erleben, um 2014 zu einem Wachstum bei 0,9 Prozent zurückzukehren.

Spanien allerdings dürfte im laufenden Jahr um 1,7 Prozent schrumpfen und das Ausmass der Krise im nächsten Jahr auf ein Minus von 0,2 Prozent reduzieren. Erst für 2015 sehen die Ökonomen wieder ein Plus. Deutschland hingegen erlebt keine Rezession und übersteht laut Goldman Sachs das laufende Jahr mit 0,8 Prozent Wachstum.

Steigende US-Nachfrage

Spaniens Wirtschaft beispielsweise ist nach Ansicht von Goldman Sachs zu stark auf den Bausektor ausgerichtet. Eine Umorientierung in Richtung Export sei wichtig. «Spanien hat eine gute Exportwirtschaft, die aber eher klein ist», sagte Schumacher.

In den USA sehen die Wirtschaftsexperten positive Signale. Im laufenden und im nächsten Jahr erwarten die Experten 2 bzw. 2,9 Prozent Wachstum. Die Entschuldung der privaten Haushalte schiebe den Konsum an, sagte Schumacher.

(chb/aho/sda)