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Analyse
«Grexit hätte schwere Folgen für griechische Wirtschaft»

Die griechische Wirtschaft werde trotz Syriza-Sieg wachsen, sagt Ludovic Subran. Ein Euro-Ausstieg hält der Chefökonom von Euler Hermes für unwahrscheinlich. Denn die Folgen eines Grexit wären fatal.

Veröffentlicht am 26.01.2015

Die Syriza-Partei siegte in Griechenland fast noch klarer als erwartet. Was könnte das nun für Folgen haben?
Ludovic Subran*: Trotz des Wahlsiegs der Syriza-Partei rechnen wir nicht mit einem Grexit, also dem Austritts Griechenlands aus der Eurozone. Die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer Einigung mit der Troika kommt, liegt nach unserer Ansicht bei etwa 95 Prozent. Das wahrscheinlichste Szenario ist dabei eine Absenkung der Zinsen auf EU- und IWF-Kredite auf 0 Prozent für einige Jahre. Damit würden die EU-Mitgliedsstaaten zwar auf Gewinne verzichten, aber keine Verluste erleiden – und die griechische Wirtschaft würde gleichsam entlastet.

Kein Schock also für Griechenland?
Nein. Wir gehen in Griechenland für 2015 weiterhin von einem leichten Wirtschaftswachstum von 1,4 Prozent aus und von einem weiteren Zuwachs des Bruttoinlandprodukts von 1,8 Prozent in 2016. Gleichzeitig rechnen wir mit einem Rückgang der Insolvenzen um 4 Prozent in 2015 und 8 Prozent in 2016. Die Finanzierungsmöglichkeiten sollten sich ebenfalls stetig verbessern. Diese Erholung setzt jedoch das Erzielen einer Einigung bis zum Sommer voraus, anderenfalls würde sich die weitere Erholung verzögern.

Und der Grexit ist vom Tisch?
Das Szenario eines Grexit halten wir derzeit nicht für sehr wahrscheinlich. Sollte es jedoch dazu kommen, hätte dies dramatische Folgen für die griechische Wirtschaft und auch die anderen EU-Mitgliedsstaaten. Der Handel würde zunächst fast vollständig zum Erliegen kommen und wir gehen in diesem Fall von einer Rezession sowie einem um 15 Prozent schrumpfenden Bruttoinlandprodukt in 2015 und weiteren minus 10 Prozent in 2016 aus.

Das ist eine dramatische Prognose...
Die Insolvenzen würden nach unseren Einschätzungen 2015 um 50 Prozent und 2016 um 30 Prozent ansteigen. Die Auswirkungen auf andere EU-Staaten wären aufgrund der geringeren Ansteckungsgefahr südeuropäischer Länder zwar wesentlich geringer als noch 2012. Der politische und wirtschaftliche Schaden wäre jedoch dennoch gross.

* Ludovic Subran ist Leitender Ökonom und Direktor des Bereichs Economic Research von EUler Hermes. Zuvor arbeitete er für das französische Finanzministerium, die Uno und die Weltbank sowie beriet Regierungen bezüglich deren Wirtschaftspolitik.

(hz/se)

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