Noch vor wenigen Monaten war ein Euro-Austritt Griechenlands für fast alle Europäer undenkbar. Wer angesichts der Schuldenkrise dennoch über die mögliche Notwendigkeit des Schritts redete, der war ein Euro-Hasser und unsolidarisch. Doch inzwischen ist der «Grexit», der griechische Euro-Exit als Gesprächsthema salonfähig geworden, und immer öfter wird er als mögliches Szenario durchgespielt.

Eine Gruppe bekannter Europäer spürt diesen Trend - und will ihn stoppen: In einem gemeinsamen Manifest rufen 50 Unterzeichner dazu auf, Griechenland mehr Zeit zu geben. «Save The Euro» heisst die Internetseite, auf der das Schreiben zu finden ist. Unterzeichnet haben es unter anderem der ehemalige deutsche Wirtschaftsminister Hans Eichel, der Wirtschaftsweise Peter Bofinger und Financial-Times-Kolumnist Wolfgang Münchau.

Ansehen unwiderruflich geschädigt

«Es scheint ein immer stärkeres Gefühl zu entstehen, dass Europa sich von einem Grexit erholen könnte», schreiben die Euro-Freunde. Doch das sei ein fataler Denkfehler. Der griechische Euro-Austritt wäre eine «politische und ökonomische Katastrophe.» Unwiderruflich würde er das europäische Ansehen in der Welt schädigen.

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Was die EU stattdessen tun solle: Den Griechen die Möglichkeit geben, wieder zum Wachstum zurückzufinden und vom kompromisslosen Spardiktat absehen. Die Zinsen, die Griechenland an die anderen EU-Länder zahlt, sollen gesenkt werden. Geknüpft werden solle das an konkrete Reformen, mit denen die Griechen sich eigenverantwortlich aus der Krise manövrieren können. Ausserdem brauche das Krisenland mehr Zeit, um seine Schulden zurückzuzahlen.

Der Vorschlag soll, so die Unterzeichner, für die Griechen kein Freifahrtschein aus der Schuldenzone sein. «Beide Seiten müssen Opfer bringen», heisst es. «Aber wir glauben, dass ein starkes Europa das wert ist.»

(laf)