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Griechen-Krise: Die Angst vor dem Dominoeffekt

Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker. (Bild: Keystone)

Der Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker warnt vor einer Beteiligung privater Gläubiger an den Griechenland-Hilfen. Das könne fatale Folgen für andere schwächelnde Euroländer haben. Und auch der IWF m

Veröffentlicht am 18.06.2011

Jean-Claude Juncker, der Chef der Euro-Gruppe, befürchtet, dass die Schuldenkrise sich auch auf andere Sorgenkinder der Eurozone ausweiten könnte. Sollten private Gläubiger an den Finanzhilfen für Griechenland beteiligt werden, dann könne das dazu führen, dass Ratingagenturen das Land als «zahlungsunfähig» einstufen.  

Das erklärte der Premier von Luxemburg gegenüber der Süddeutschen Zeitung» «Die Pleite kann Portugal anstecken und Irland und dann wegen der hohen Schulden auch Belgien und Italien, noch vor Spanien», so Juncker.

Erst am Freitag hatten die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy sich auf eine freiwillige Beteiligung privater Gläubiger an der Griechenland-Rettung geeinigt.

Mit der Europäischen Zentralbank (EZB) muss man jetzt die Einzelheiten festlegen. Merkel und Sarkozy forderten von rasche Entscheide über ein neues milliardenschweres Hilfsprogramm für das vom Bankrott bedrohte Griechenland.
 

Neues Griechenland-Paket

Möglicherweise braucht Athen neben dem aktuellen Hilfspaket im Umfang von 110 Milliarden noch weitere 120 Milliarden Euro. Als Gegenleistung müsste das Land sich zu einem noch strikteren Sparprogramm verpflichten.

Die Euro-Finanzminister dürften an diesem Sonntag und Montag in Luxemburg erstmals über Einzelheiten reden. Am kommenden Donnerstag und Freitag kommen dann die EU-Staats- und Regierungschef in Brüssel zu einem Gipfel zusammen.

Juncker und EZB gegen Druck auf Privatinvestoren

Juncker warnte auch im Interview mit dem «Luxemburger Wort» vom Samstag vor Auswirkungen einer Beteiligung der privaten Gläubiger. Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, dass die Regierungen massiv Druck auf die Griechenland-Investoren machen und nur nach aussen hin den Anschein wahren würden, es handele sich um eine freiwillige Aktion.
Ansätze, die sich unterhalb des Risikoniveaus einer Kreditausfallsbewertung durch Ratingagenturen bewegten, müssten vorgezogen werden. «Das sehen auch Berlin und Paris so», sagte Juncker.

Auch die EZB steht eine Beteiligung privater Geldgeber skeptisch gegenber und verlangt absolute Freiwilligkeit. Sollten die Ratingagenturen in dem Vorgehen einen Kreditausfall sehen, dürfte die Notenbank griechische Anleihen nicht mehr als Sicherheiten akzeptieren. Das könnte zu einem Kollaps griechischer Banken führen, die am Tropf der Notenbank hängen.

Gefahr für die Weltwirtschaft

Athen muss rasch ein Spar- und Reformprogramm im Umfang von 78 Milliarden Euro auf den Weg bringen. Bis Ende 2011 müssen 6,4 Milliarden Euro eingespart werden, bis 2015 dann weitere 22 Milliarden. Zusätzlich muss die Regierung versuchen, 50 Milliarden Euro durch den Verkauf von Staatsbetrieben und Immobilien zu erlösen.

Nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) stellt die griechische Krise über Europa hinaus eine Gefahr für die Weltwirtschaft dar. In seiner am Freitag (Ortszeit) in Washington vorgestellten Finanzprognose erklärt der IWF, Investoren seien zunehmend darüber in Sorge, dass die griechische Regierung die notwendigen Massnahmen zur Abwendung eines Staatsbankrotts nicht durchsetzen könne.

Die Weltwirtschaft werde in diesem Jahr mit voraussichtlich 4,3 Prozent wachsen. Das ist 0,1 Prozent weniger als der IWF im April geschätzt hatte. Das Wachstum könne wegen der gewaltigen Staatsdefizite in den USA und Japan noch geringer ausfallen, warnt der IWF.

(laf/sda/awp)

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