Spielte Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg auf dem internationalen Parkett bis heute eine unauffällige Rolle, steht Berlins Politik nun mit einem Mal im Kreuzfeuer der Kritik. Deutschland habe aus «Rachsucht» die Bedingungen der Finanzhilfen für Griechenland so hart diktiert, schrieb der Ökonom Paul Krugman. Der «hässliche Deutsche» habe wieder ein Gesicht, sagte der deutsche Grünen Politiker Reinhard Bütikofer, «und das ist das von Schäuble».

Tatsächlich muss der deutsche Finanzminister derzeit am meisten Kritik einstecken für seinen harten Kurs gegen Athen. In Deutschland kommt er deshalb aber an: 64 Prozent gaben vor einigen Tagen an, mit Wolfgang Schäuble und seinen Verhandlungen über Griechenland zufrieden zu sein. Zum Vergleich: Kanzlerin Angela Merkel kommt auf 62 Prozent Zustimmung.

Jeder fünfte Leser findet Deutschland zu hart

Auch in der Schweiz scheint die deutsche Position auf Verständnis zu stossen. In der vergangenen Woche fragte handelszeitung.ch die Leser: Steht Deutschland zu Recht in der Kritik für die Verhandlungshärte in der Griechen-Krise? Die Antwort scheint eindeutig: Mit 53 Prozent antwortete mehr als die Hälfte mit Nein. Deutschland zahle am meisten – das hätte Athen einsehen und deshalb mehr kooperieren müssen.

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Nicht einmal jeder fünfte Befragte sieht die Schuld allein bei den Deutschen, 18 Prozent gaben an, dass es Berlin offenbar nicht vertrage, wenn kleine Länder wie Griechenland Widerstand leisteten. Immerhin drei von zehn Umfrageteilnehmer fällten ein salomonisches Urteil. Sowohl die Griechen als auch die Gläubiger wie Deutschland seien schuld, dass die Lage eskaliert ist.

(moh)