Die Zeit drängt: Bis zum 20. März muss Griechenland eine machbare Regelung zur Refinanzierung gefunden haben - sonst ist das Land bankrott. Aktuell laufen Verhandlungen zwischen der Regierung und dem internationalen Bankenverband, bei dem es um den 50-prozentigen Schuldenschnitt geht.

Wird dieser - notfalls mit politischem Druck - durchgeboxt, ist klar: Gläubiger müssen bluten. Ausgerechnet die Hedge-Fund-Industrie will sich dies nicht bieten lassen: Sie droht gemäss einem Bericht der «New York Times» («NYT») mit dem Gang vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, wo Griechenland verklagt werden soll.

Diese Klage solle dann eingereicht werden, sobald die Vertragsbedingungen der griechischen Staatsanleihen durch Athen geändert würden. Unter Berufung auf Rechtsexperten sei gemäss «NYT» die Wahrscheinlichkeit gross, dass eine solche Klage in Strassburg tatsächlich angenommen würde. Der durch die Vertragsänderung erzwungene Schuldenschnitt sei ein Eingriff in das Eigentumsrecht der Gläubiger also auch der Hedge Funds, heisst es - und dieses, das Eigentumsrecht, gilt in der EU als Menschenrecht.

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Gefährlicher Griff in die Trickkiste

Die Angst vor einer solchen Vertragsmutation hat Griechenlands Regierungschef Lucas Papademos geschürt, als er am Mittwoch damit drohte, die Gläubiger per Gesetz zum Schuldenschnitt zu zwingen. Sollte es in den aktuellen Diskussionen nicht zu einer gütlichen Einigung kommen, könnte Griechenland im Nachhinein die Staatsanleihen im Nachhinein nämlich mit sogenannten «Collective action clauses» (Umschuldungsklauseln) ausstatten.

Eine solche rückwirkende Änderung würde den Hedge Funds den Weg nach Strassburg ermöglichen - allerdings dürften die Verfahren gemäss Rechtsexperten mehrere Jahre in Anspruch nehmen.

Damit hat die Hedge-Fund-Industrie einen zweiten Trumpf in der Hand. Der erste: Kommt es beim Schuldenschnitt zu keiner Einigung und folglich zur Staatspleite, so würden sie von der Kreditausfallversicherung profitieren.

(vst/tno)