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«Griechenland erlebte ökonomischen Alptraum»

Den Linksrutsch in Griechenland freut nicht nur SP-Nationalrat Cédric Wermuth. Auch Starökonom und Nobelpreisträger Paul Krugman findet, dass die Sparpolitik von EU und IWF gescheitert ist.

Von Dominic Benz
am 27.01.2015

Die Griechen haben genug vom jahrelangen Sparen. Ihren Unmut machten sie bei den jüngsten Parlamentswahlen deutlich. Griechenland wählte die linksextreme Partei Syriza um Anführer Alexis Tsipras. Sein Kredo: Schluss mit den rigiden Reformen, welche die Troika dem Land auferlegt hat.

Ein Befürworter dieses Kurses ist auch SP-Nationalrat Cédric Wermuth. Für ihn ist der Erdrutschsieg der Syriza ein Segen: «Erstmals seit der Krise öffnet sich mit dem Wahlsieg der Syriza eine Perspektive auf ein anderes Europa.» Die sogenannte Reformpolitik der Troika sei gescheitert, die Neuverhandlung der Vereinbarungen mit den Gläubigern legitim.

«Ökonomischer und menschlicher Alptraum»

Der junge Sozialdemokrat steht mit seinen Ansichten nicht alleine da. Auch Paul Krugman, US-Starökonom, Wirtschafts-Nobelpreisträger und Professor an der Universität Princeton, schlägt in die gleich Kerbe. Die Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds habe Griechenland eine «ökonomischen Fantasie» verkauft, schreibt Krugman in einem Kommentar in der «New York Times». «Und das griechische Volk habe den Preis für dieses elitäre Truggebilde bezahlt.»

Die Troika sei bei den Sparanforderungen an Griechenland von einem positiven Effekt auf die Konjunktur und die Arbeitslosigkeit der Hellenen ausgegangen, so Krugman. Doch das Gegenteil sei passiert. Was folgte, «war ein ökonomischer und menschlicher Alptraum.» Wäre die Troika realistischer gewesen, dann hätte sie bemerkt, dass sie von Griechenland das Unmögliche verlangt habe.

Europa soll Tsipras eine Chance geben

Da nun Alexis Tsipras die Wahlen haushoch gewonnen habe, sollen die europäischen Offiziellen mit dem Appell aufhören, er solle sich «verantwortungsvoll» verhalten und am Sparprogramm festhalten. «Fakt ist, dass sie keine Glaubwürdigkeit haben», so der Starökonom. «Das Programm hatte nie Sinn gemacht.» Es sei von Anfang an zum Scheitern verurteilt gewesen.

Ein Problem sieht Krugman allerdings bei der Siegerpartei in Griechenland. «Die Pläne der Syriza könnten nicht radikal genug sein.» Eine Schuldenerleichterung und eine Lockerung der Sparmassnahmen würden den ökonomischen Schmerz zwar mildern. Es sei jedoch ungewiss, ob das für eine Erholung der Wirtschaft reicht. Für den Nobelpreisträger ist aber klar: «Tsipras ist um Längen realistischer als die EU-Offiziellen.» Der Rest von Europa soll ihm eine Chance geben, den Alptraum seines Landes zu beenden.

Angst vor Neuauflage der Eurokrise

Wie schnell Tsipras das gelingen wird, ist unklar. Bei den Gläubigern muss sich der Syriza-Chef sich auf harte Bandagen gefasst machen. EU und IWF sind nicht bereit, dringend benötigte weitere Milliarden bedingungslos nach Athen zu überweisen. Einen Schuldenerlass lehnen sie ab. «Die Verpflichtungen gelten weiter», betonte etwa der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble.

Sowohl die Troika als auch viele Ökonomen sehen im griechischen Linksrutsch Gefahren. Sorgen um eine Neuauflage der Eurokrise sind gross. Auch befürchten manche ein Grexit, also ein ungeordneter Ausstieg Griechenlands aus dem Euro.

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