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Griechenland-Hilfe: EU ringt mit Banken

Frankreichs Präsident Sarkozy an der Pressekonferenz zur Bankenbeteiliugng. (Bild: Keystone)

Wie genau die Beteiligung der Banken der Eurozone am Griechenland-Hilfspaket aussehen soll, steht noch nicht fest. Frankreich macht dabei schon Zugeständnisse. Die Banken des Nachbarlandes geben sich

Veröffentlicht am 27.06.2011

In der Eurozone gibt es nach Brüsseler Einschätzung noch kein fertiges Modell zur Beteiligung von Banken an einem zweiten Hilfspaket für Griechenland. Informelle Gespräche mit den Geldhäusern sollten «in den nächsten Tagen» zu verschiedenen Alternativen führen, sagte der Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn.

Zunächst solle festgestellt werden, inwieweit die Banken überhaupt griechische Schuldpapiere übernommen hätten. «Es geht um ein freiwilliges Roll-Over der griechischen Staatsschulden», sagte der Sprecher mit Blick auf ein Verfahren, wonach Gläubiger neue Anleihen Athens kaufen, falls alte auslaufen.

Noch keine konkrete Summe

Bisher nennt man in Brüssel keine Summen, mit denen der Privatsektor sich an der zweiten Griechenland-Rettung beteiligen könnte. Vor zwei Wochen war einmal von rund 30 Milliarden Euro die Rede gewesen - diese Zahl fällt inzwischen nicht mehr. Es werde eine «substanzielle» Zahl erreicht werden, versicherte der Sprecher. Das Gesamtpaket soll einen Umfang von bis zu 120 Milliarden Euro haben und bis Mitte Juli stehen.

Französische Banken und Versicherungsunternehmen haben bereits ihre Absicht erklärt, sich freiwillig an der Griechenland-Hilfe zu beteiligen. Präsident Nicolas Sarkozy bestätigte einen entsprechenden Zeitungsbericht.

Gemäss einem Plan, der zwischen Regierungsvertretern und Banken erarbeitet werde, sollen die Schulden Griechenlands bei französischen Banken in neue Sicherheiten investiert werden, sagte Sarkozy.

Frankreich macht Zugeständnisse

Sarkozy bestätigte einen Bericht der regierungsnahen Zeitung «Le Figaro», wonach französische Banken bereit seien, bis zu 70 Prozent der Schulden, die Griechenland bei ihnen hat, zu verlängern oder neu zu investieren.

50 Prozent sollen in neue Anleihen fliessen, die diesmal aber 30 Jahre laufen sollen. Die lange Laufzeit verschafft Griechenland Luft beim Zurückzahlen. Die restlichen 20 Prozent sollen in sogenannte Zero-Bonds fliessen, also Anleihen ohne laufende Zinszahlungen.

Sie sollen durch einen Fonds mit hochwertigen Wertpapieren abgesichert werden, der eine ähnliche Funktion haben könnte wie öffentliche Garantien, berichtete der «Figaro» weiter. In Frankreich werden Anleihen der griechischen Staatsschulden im Wert von 15 Milliarden Euro gehalten.

Die europäischen Regierungen versuchen derzeit den Privatsektor dazu zu bringen, ihre Rettungspläne für Griechenland zu unterstützen.

Deutschland nicht so leicht zu haben

Die deutschen Banken sind noch skeptischer als die Finanzinstitute aus dem Nachbarland. Sie hoffen weiter auf Anreize für eine freiwillige Beteiligung der privaten Gläubiger an einem zweiten Hilfspaket für Griechenland. «Anreize würden eine Lösung sicherlich erleichtern», sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken (BdB), Michael Kemmer, der Nachrichtenagentur dpa.

Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) lehnt Anreize und zusätzliche Staatsgarantien für Beiträge der Privatwirtschaft ab. Eine Stabilisierung der Lage in Griechenland liege im «allereigensten Interesse aller Investoren». Deshalb seien keine zusätzlichen Anreize für den Privatsektor nötig. Bis zur Sondersitzung der Euro-Gruppe am 3. Juli soll es eine Lösung geben.

Jeder weiss um den Ernst der Lage

Das Finanzministerium verhandelt seit Tagen mit deutschen Banken und Versicherern über eine Beteiligung der Privatgläubiger an einem zweiten Hilfspaket für Griechenland. Es geht um eine freiwillige Laufzeitverlängerung griechischer Anleihen.

Im Mittelpunkt stehen griechische Staatsanleihen, die bis Mitte 2014 fällig werden. Diese könnten gegen neue Schuldtitel mit fünfjähriger Laufzeit getauscht werden.

Kemmer sprach von konstruktiven Verhandlungen zwischen Bankenvertretern und Finanzministerium. «Jeder weiss um den Ernst der Lage. Jeder möchte auch, dass es eine Lösung gibt». Zum weiteren Zeitplan der Gespräche machte er keine näheren Angaben.

(laf/cms/awp/sda)

 

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