Trotz des zweiten Rettungspakets für Griechenland schliessen die Euro-Staaten eine Pleite des hoch verschuldeten Staates nicht aus. So sagte der österreichische Kanzler Werner Faymann dem Fernsehsender ORF, er wisse nicht, ob die Bevölkerung den Sparkurs von Ministerpräsident Giorgos Papandreou mittragen werde.

Eine Staatspleite sei jedoch das ungünstigste Szenario, so Faymann. Um die Schuldenkrise zu lösen, müsse Papandreou seine Sparpläne durchsetzen und eine Mehrheit dafür im Parlament bekommen.

Die für Mitte Woche angesetzte Abstimmung steht auf der Kippe. Gegen Papandreous Sparprogramm von 28 Milliarden Euro stellen sich auch Abgeordnete seiner eigenen sozialistischen Bewegung Pasok. Die Beratungen im Parlament in Athen beginnen heute. Die oppositionelle konservative Nea Dimokratia will das Sparpaket zu Fall bringen. Deren Chef Andonis Samaras erklärte, das Programm würde Griechenland nur tiefer in die Rezession treiben.

Anzeige

Spekulationen über die Drachme

Der griechische Vize-Regierungschef Theodoros Pangalos wies indes Forderungen nach einem Austritt Griechenlands aus der Eurozone und einer Wiedereinführung der Drachme aber als «gewaltige Dummheit» zurück.

Sollte Griechenland die Drachme wieder einführen, «wären die Banken am nächsten Tag von Leuten belagert, die ihr Geld abheben wollen, die Armee müsste sie mit Panzern beschützen, weil es nicht genug Polizei gäbe», sagte er der spanischen Zeitung «El Mundo». «Es würde überall Unruhen geben, die Geschäfte wären leer», sagte Pangalos. «Manche Leute würden sich aus dem Fenster stürzen.»

Der sozialistische Politiker warnte jedoch auch: «Wenn wir bis zum 12. Juli das Geld (aus der nächsten Tranche des Hilfspakets) nicht bekommen, werden wir dasselbe grauenhafte Szenario bekommen, das wir bei einem Verlassen der Euro-Zone und einer Rückkehr zur Drachme erleben müssten.»

Warnungen von Soros und Pimco

Die Kritik am Krisenmanagement der EU wird derweil lauter. So geht Starinvestor George Soros davon aus, dass über kurz oder lang ein Land aus der Eurozone ausscheiden wird. Einen Plan B gebe es nicht, weshalb an Bestehendem festgehalten werde, sagte er in Wien.

«Wir stehen am Rand des Zusammenbruchs, der - sagen wir mal - mit Griechenland anfängt, aber sich leicht ausweiten kann», sagte Soros. Die Zeit für Änderungen am System sei gekommen.

Griechenland werde um eine Umschuldung nicht herumkommen, zeigte sich der weltgrösste Staatsanleihehändler Pimco überzeugt. Griechenland könne nicht wachsen, solange es so hohe Schulden habe, sagte Pimco-Chef Mohamed al-Erian dem US-Sender CNN. «Immer mehr Länder in Europa werden sich anstecken.»

Frankreich offenbar einig bei Banken-Beteiligung

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich mit Sitz in Basel schlug Alarm. In ihrem Jahresbericht warnte sie vor einer Ausweitung der Krise auf die Weltwirtschaft.

Umstritten ist, in wie weit sich die Banken an der Griechenland-Rettung beteiligen sollen. Die Verhandlungen zwischen den Banken und den Finanzministern der Euro-Staaten sind am Laufen. Aus Paris wurde in der Nacht vermeldet, in Frankreich habe man sich geeinigt.

Nach einem Bericht der Zeitung «Le Figaro» sollen die Gläubiger 70 Prozent des Geldes, das sie bei Fälligkeit der griechischen Anleihen zurückbezahlt bekommen, dem Land wieder zur Verfügung stellen. 50 Prozent sollten in neue Schuldtitel fliessen, für die eine Laufzeit von 30 statt von fünf Jahren vorgesehen sei.

Anzeige

(tno/cms/sda)

 

Lesen Sie auch, wo Griechenland den Rotstift ansetzt und wer was will in dem Euro-Krisenstaat.