Griechenlands Staatspräsident Karolos Papoulias attackiert den deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble: «Ich kann nicht hinnehmen, dass Herr Schäuble mein Land beleidigt», zitiert die Nachrichtenagentur Reuters Papoulias.

«Wer ist Herr Schäuble, dass er Griechenland kränkt? Wer sind die Niederländer? Wer sind die Finnen?», sagte Papoulias demnach am Mittwoch während eines Essens mit dem Verteidigungsminister und Spitzenvertretern des Militärs.

Der heute 82-jährige Papoulias hatte in jungen Jahren gegen die deutschen Nazi-Besatzer Griechenlands gekämpft, berichtet unter anderem «Spiegel Online». Später habe er in München und Köln Jura studiert  und spreche fliessend Deutsch.

«Ohne Schäuble wäre Griechenland heute schon zahlungsunfähig»

Schäubles deutscher CDU-Parteikollege Christian von Stetten sagte zur Attacke gegen den Finanzminister im Interview mit «Welt Online»: «Das ist eine Unverschämtheit. Der griechische Staatspräsident müsste wissen: Ohne Wolfgang Schäuble wäre Griechenland heute schon zahlungsunfähig.»

Wieder und wieder habe der Finanzminister für die Unterstützung der Griechen geworben und viele skeptische Abgeordnete überzeugt, so der relativ unbekannte von Stetten. Ausserdem habe Schäuble niemanden beleidigt 

«Die Griechen beschimpfen einen Mann, der unendlich viel für sie getan hat», so der relative unbekannte von Stetten. Das komme bei den deutschen Abgeordneten gar nicht gut an und werde sicher Auswirkungen auf die Rettungsschirm-Abstimmung am 27. Februar haben.

Schäuble: «Ich habe Zweifel»

Deutschland hatte laut Reuters vor der Freigabe des zweitens Rettungspakets einen überzeugenden Vertrauensbeweis von den Spitzepolitikern in Athen gefordert. Als Drohung stellten Deutschland, die Niederlande und Finnland Euro-Kreisen zufolge eine Verschiebung des gesamten Pakets bis nach der Wahl in den Raum, berichtet die Nachrichtenagentur.

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Schäuble kritisierte besonders die griechischen Konservativen für Ihre Haltung zum Sparprogramm. Einer der schwierigsten Punkte in den aktuellen Verhandlungen sei, dass vor allem die Partei Nea Dimokratia bisher nicht klar genug verspreche, auch im Fall eines Wahlsiegs im April die Sparbeschlüsse unangetastet zu lassen, sagte Schäuble im Südwestrundfunk.

Der deutsche Finanzminister bekräftigte, bevor eine Entscheidung über weitere Milliardenhilfen für Griechenland falle, müssten alle Voraussetzungen erfüllt sein. «Und jetzt muss geprüft werden, ob das der Fall ist. Ich habe Zweifel, ob alle erfüllt sind.»

Papoulias verzichtet auf Gehalt

Angesichts der dramatischen Finanzlage Griechenlands verzichtet Papoulias auf unbestimmte Zeit auf sein Gehalt. Dies teilte am Mittwoch der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos im Fernsehen mit.

Das Jahreseinkommen des Staatspräsidenten beträgt nach Angaben des Präsidialamts etwa 85'000 Euro jährlich.

(tno/vst/sda)