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Konjunktur

Hängepartie in Athen: Verhandlungsführer abgereist

Auf dem Weg zum Flughafen: Verhandlungsführer Charles Dallara hat Athen ohne Einigung verlassen. (Bild: Keystone)

Die Einigung über einen Schuldenschnitt Griechenlands ist nach wie vor in der Schwebe. Gespräche zwischen der Regierung und dem internationalen Bankenverband blieben ohne Ergebnis.

Veröffentlicht am 21.01.2012

Die Verhandlungen über einen griechischen Schuldenschnitt bleiben trotz des Zeitdrucks eine Hängepartie. Erneute Gespräche zwischen der griechischen Regierung und dem internationalen Bankenverband IIF haben daran nichts geändert.

Der Verhandlungsführer des IIF, Charles Dallara, habe Athen verlassen. Zuvor hatte es geheissen, bei den Gesprächen am Freitagabend seien deutliche Fortschritte erzielt worden. Die Verhandlungen sollen am Wochenende telefonisch fortgeführt werden.

Zuvor hatten der griechische Ministerpräsident Lucas Papademos und der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos mit Dallara mehrere Stunden lang verhandelt. Griechische Medien gingen am Samstag davon aus, dass die angestrebte Absichtserklärung (Memorandum of Understanding) spätestens am Montag fertig sein könnte.

Treffen der Finanzminister am Montag

Die Griechen wollten eine Einigung unbedingt noch vor dem Treffen der Euro-Finanzminister am Montag unter Dach und Fach bringen, damit noch genug Zeit für eine rechtzeitige Umsetzung bleibt.

Der Erfolg der Vereinbarung der griechischen Regierung mit ihren privaten Gläubigern hängt am Ende davon ab, wie viele Banken und andere Besitzer griechischer Staatsanleihen mitmachen und auf Geld verzichten.

Unabhängig von den noch unbekannten Details wird der angestrebte Schuldenschnitt Europa nach Einschätzung von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann auch auf lange Sicht teuer zu stehen kommen. «Die Erwartung war, dass Staatsanleihen zu 100 Prozent zurückgezahlt werden. Dieses Prinzip wurde verletzt - und zwar entgegen allen Aussagen, die zuvor gemacht worden waren», sagte der Schweizer der Nachrichtenagentur dpa.

Der irische Finanzminister Michael Noonan bezeichnete die Beteiligung privater Gläubiger an dem Rettungspaket für Griechenland in einem Interview mit der «Süddeutschen Zeitung» als schweren Fehler. Dadurch sei die Schuldenkrise weiter verschärft worden.

Schuldenberg abbauen

Ziel des angestrebten Schuldenschnitts ist, Griechenland um 100 Milliarden Euro zu entlasten. Das Land sitzt derzeit auf einem Schuldenberg von rund 352 Milliarden Euro. Das entspricht 161 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Erlaubt wären gemäss den EU-Regeln höchstens 60 Prozent.

206 Milliarden davon befinden sich in den Händen von Privatleuten, Banken, Versicherungen und Hedge Fonds. Sollte der Schuldenschnitt gelingen, können die Schulden nach Schätzungen der EU und des Internationalen Währungsfonds IWF zunächst auf 152 Prozent fallen.

Bis 2020 sollen sie auf 120 Prozent sinken - allerdings unter der Voraussetzung, dass die Wirtschaft nach mehrjähriger Rezession ab 2013 wieder deutlich wächst. Eine solche Entwicklung zeichnet sich jedoch bislang nicht ab.

Den teilweisen Schuldenerlass für Athen sollen die privaten Gläubiger freiwillig schultern. Ihr Engagement ist ein entscheidender Baustein für das zweite, 130 Milliarden Euro schwere Hilfsprogramm für Griechenland.

(vst/sda)

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