Italien muss für neue kurzlaufende Kredite fast doppelt so hohe Zinsen zahlen wie noch im Mai. Die Rendite bei einer Auktion von Geldmarktpapieren mit einer Laufzeit von sechs Monaten habe bei 1,05 Prozent gelegen, teilte die italienische Schuldenagentur in Rom mit.

Bei der letzten vergleichbaren Auktion am 29. Mai hatte sie lediglich 0,538 Prozent betragen. Trotzdem erreichte Italien sein Maximalziel von 8 Milliarden Euro problemlos. Die Nachfrage ging etwas zurück, blieb aber robust. Die Auktion war 1,36-fach überzeichnet.  

Verluste aus Finanzgeschäften

Zuletzt waren auch die Renditen am Sekundärmarkt stark gestiegen. Auslöser waren Aussagen von US-Notenbankchef Ben Bernanke vom vergangenen Mittwoch. Er hatte eine Rückführung der milliardenschweren Anleihekäufe in den USA noch im laufenden Jahr ins Spiel gebracht und damit heftige Kursverluste an den Rentenmärkten weltweit ausgelöst. 

Italien droht Zeitungsberichten zufolge derweil ein milliardenschwerer Verlust aus Finanzgeschäften. Die «Financial Times» und «La Repubblica» zitierten aus einem Bericht des italienischen Finanzministeriums zu Kreditgeschäften des Landes in der ersten Jahreshälfte 2012, demzufolge acht Derivate-Deals mit ausländischen Banken im Nennwert von insgesamt 31,7 Milliarden Euro umgeschichtet wurden.

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Finanzministerium schweigt

Dadurch konnten Zahlungen an die Banken über einen längeren Zeitraum gestreckt werden, aber zum Teil zu ungünstigen Bedingungen, wie die FT berichtete. Drei Experten hätten den möglichen Verlust auf acht Milliarden Euro geschätzt. La Repubblica bezifferte das potenzielle Minus auf 8,1 Milliarden Euro. 

Den Zeitungen zufolge stammen die Derivate-Verträge aus den 1990er Jahren, als die italienische Regierung Vorauszahlungen von Banken verwendet habe, um die Defizit-Ziele der Europäischen Union zur Einführung des Euro zu erreichen. «In den 1990ern wurden viele Fehler gemacht, um Italien in den Euro hinein zu bekommen und heute wandeln sie sich in höhere Schulden versteckt in offiziellen Konten», zitierte «La Repubblica» einen Regierungsvertreter. Das Finanzministerium war zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

(muv/aho/awp/reuters)