Italien wiegelt ab. Die Ergebnisse des Stresstests seien «höchst unwahrscheinliche Szenarien», sagte Fabio Panetta, Vize-Generaldirektor der italienischen Zentralbank, nach dem Bekanntwerden des Resultates. Und fügte an, dass das Krisenszenario der Europäischen Zentralbank ein «äusserst strenges» gewesen sei. «Insgesamt ist das System stabil», versicherte er. Das hätten Analysen der Zentralbank ergeben und das zeigten auch die EZB-Zahlen bei genauerer Betrachtung. Tatsächlich müssten ja nur noch zwei italienische Banken mehr Kapital zurücklegen – die traditionsreiche Bank Monte dei Paschi di Siena und die Banca Carige, die grösste Bank Liguriens.

Von den 15 getesteten Banken in Italien sind im EZB-Stresstest neun durchgefallen. Das Land hat damit beim EZB-Stresstest im Ländervergleich am schlechtesten abgeschnitten. In Italien sind sogar mehr Banken gefährdet als in Griechenland und Zypern. Auch wenn richtig ist, dass von den neun betroffenen italienischen Geldhäusern sieben bereits Gegenmassnahmen eingeleitet haben.

Intesa Sanpaolo und Unicredit verlieren

Das Urteil der EZB zeichnete sich heute auch an den Märkten ab: So verloren die Papiere der angeschlagenen Traditionsbank Monte dei Paschi di Siena an der Mailänder Börse 15 Prozent und wurden daraufhin vom Handel ausgesetzt. Die MPS hatte den Stresstest nicht bestanden und benötigt 2,1 Milliarden Euro frisches Kapital. 

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An zweiter Stelle steht die Banca Carige, die eine Kapitalspritze von 814 Millionen Euro braucht. Die Carige-Aktien verloren zuletzt mehr als 12 Prozent und wurden ebenfalls vom Handel ausgesetzt. Die Anteilscheine der Banca Popolare di Milano, die ebenfalls als nicht fit genug eingestuft worden war, gingen um mehr als 4 Prozent zurück. Die Titel von Intesa Sanpaolo und Unicredit fielen jeweils um mehr als 2 Prozent, obwohl beide Institute in puncto Eigenkapital als gesund eingestuft worden waren.

Auftrieb gab es dagegen für die Banken, die in Sachen Eigenkapital bereits Massnahmen eingeleitet haben. Banca Popolare dell' Emilia Romagna und Banca Popolare di Milano gewannen am Vormittag in der Spitze jeweils mehr als drei Prozent. Banco Popolare zogen zeitweise sogar um 7,5 Prozent an.

«Italien steht im Test gut da»

«Tatsächlich steht Italien im Test gut da», analysiert Donato Masciandaro, Leiter des Institutes für Wirtschaft an der renommierten Universität Bocconi, in Übereinstimmung mit Zentralbanker Panetta. «Es kann sein, dass andere Länder besser abzuschneiden scheinen – aber diese Länder haben ihre Banken auch bereits direkt gestützt», sagt Masciandaro dem italienischen «L’Espresso» in Anspielung auf die Bankenhilfen in Deutschland und Spanien. Beide Länder haben beim diesjährigen Stresstest gut abgeschnitten.

Doch auch wenn Analysten und die italienische Zentralbank beruhigend wirken wollen: Die ökonomischen Rahmenbedingungen in Italien stehen auf Sturm. Eigentlich ist Italien seit seinem Beitritt zur Euro-Zone 1999 kaum gewachsen, analysierte der europäische Think Tank Bruegel. Für 2014 lag die Erwartung bei 0,6 Prozent, mittlerweile gehen die meisten Ökonomen von Stagnation aus. In Rom selbst ist man offenbar noch skeptischer: Das italienische Finanzministerium rechnet für dieses Jahr mit einem leichten Minus von bis zu 0,3 Prozent.

Italien rechnet sich aus der Rezession

Zentralbanksdirektor Panetta urteilte über das EZB-Resultat, dass dieses sehr «zum Nachteil Italiens gedacht sei, da es von einer schweren Rezession für die gesamte Zeitspanne 2014 bis 2016 ausgehe, nachdem Italien bereits 2012 und 2013 unter einer solchen gelitten hat, die sich wiederum an die von 2008-2009 anschliesst.»

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Doch ist ein solches Szenario tatsächlich so unwahrscheinlich? Der Rezession ist Italien kürzlich nur auf dem Papier entkommen, weil es die neuen Berechnungen für das Bruttoinlandsprodukt angewandt hat.

Und erst heute schrieb Wirtschaftsminister Pier Carlo Padoan einen offenen Brief an die Europäische Kommission, nach dem nun 4,5 Milliarden Euro an Einsparungen vorgesehen seien, wie Reuters vermeldet. Das entspricht 0,3 Prozent der italienischen Wirtschaftsleistung. Der härtere Sparkurs soll dafür sorgen, dass die drittgrösste Volkswirtschaft der Euro-Zone die Defizitziele einhalten kann. Nach den Verträgen von Maastricht darf die Neuverschuldung bei maximal drei Prozent liegen. Italien hat sich damit erst einmal wieder von seinem Ziel verabschiedet, bis 2017 einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen. 

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(mit Material von awp)