In den drei Monaten von April bis Juni sank Italiens Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,2 Prozent, wie das Statistikamt Istat in Rom heute meldete - bereits der achte Rückgang in Folge. Doch bereits dieser Wert ist positiv: Im Vorfeld befragte Fachleute hatten mit einem Minus von 0,4 Prozent gerechnet.

Die konjunkturelle Erholung Italiens ist für die Schweizer Wirtschaft von besonderer Bedeutung. Rund 8 Prozent der eidgenössischen Ausfuhren gehen in das Land südlich der Alpen – damit rangiert Italien auf Platz drei der wichtigsten Abnehmerländer. Nach Deutschland und den USA, noch vor Frankreich und Grossbritannien.

Rekordrezession neigt sich dem Ende zu

Seit die Euro-Krise Mitte 2011 eskalierte, rutschte das Land in eine Rezession – um über 4,5 Prozent sank das BIP seitdem. Eine entsprechende Belastung für das Schweizer Ausfuhrgeschäft in den vergangenen beiden Jahren. «Vor allem die chemisch-pharmazeutische Industrie exportiert viel nach Italien», sagt Stefan Neuwirth, Ökonom beim Züricher Forschungsinstitut Kof. Die Branche zeichnet für fast die Hälfte aller Schweizer Verkäufe nach Italien verantwortlich.  Der Maschinen- und Anlagenbau macht rund 10 Prozent aus.

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Inzwischen jedoch verdichten sich die Anzeichen, dass die längste Rezession der italienischen Nachkriegsgeschichte in diesem Sommer ein Ende findet. Die Industrie steigerte ihre Produktion im Juni immerhin zum zweiten Mal hintereinander, wie Istat heute ebenfalls meldete. Nach 0,1 Prozent im Vormonat lag das Plus nun bei 0,3 Prozent. Fachleute geben sich optimistisch: Italien sei besser als sein Ruf, sagt Holger Schmieding, Chefökonom bei der Privatbank Berenberg in London. «Die Industrie kann mittlerweile auf den Weltmärkten mithalten.» 

Rom hat reformiert

Erstmals seit  über zwei Jahren spricht das Gros der Einkäufer in der Industrie wieder von steigenden Geschäften. Der entsprechende Einkaufsmanagerindex machte Ende Juli einen Satz von 49,1 auf 50,4 Punkte. Ein Wert von über 50 Punkten signalisiert wirtschaftliches Wachstum.  Auch die Neuaufträge legen demnach wieder zu.

Hinzu kommt: Der ehemalige Premier Mario Monti hat in vielen Bereichen den Rotstift angelegt. Der öffentliche Haushalt wurde 2012 erheblich konsolidiert, resümierte kürzlich die in ihren Urteilen sonst eher zurückhaltende die Industrieländerorganisation OECD. «Die Bevölkerung spürt, dass das Schlimmste überstanden ist», sagt Schmieding.

Quelle: EU-Kommission / Berenberg Bank 

Entsprechend positiv gestimmt sind die Verbraucher wieder. Das von der EU-Kommission erhobene Konsumentenvertrauen stieg zuletzt rapide (siehe Grafik).  «Für die zweite Hälfte 2012 rechnen wir mit einer Stabilisierung der italienischen Wirtschaft – davon dürfte die Schweizer Konjunktur dann definitiv profitieren», so Kof-Experte Neuwirth. Zuletzt seien die Exporte nach Italien bereits deutlich dynamischer gestiegen als die gesamten Ausfuhren des Landes. 

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IWF wähnt Italien ab 2014 wieder auf Wachstumskurs

Der – in der Vergangenheit jedoch oft zu optimistische – Internationale Währungsfonds rechnet fürs kommende Jahr wieder mit einem deutlichen gesamtwirtschaftlichen Plus. Dann könnte Italiens Bruttoinlandsprodukt um 0,7 Prozent zulegen.