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Kritik
IWF malt düsteres Bild von Europas Bankenszene

Deutsche Bank in Frankfurt: Grosse Herausforderung. Keystone

Viele europäische Institute seien nicht zukunftsfähig, so der Internationale Währungsfonds. Die Banken müssten sich auf eine Ära chronisch schwachen Wachstums und weiterer Probleme einstellen.

Veröffentlicht am 06.10.2016

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat in seinem Bericht zur Finanzmarktstabilität ein düsteres Bild der europäischen Bankenszene gezeichnet. Ein grosser Teil der europäischen Banken sei zu schwach, um nachhaltig Gewinne erwirtschaften zu können.

Ein Drittel des europäischen Bankensystems mit einem Volumen von 8,5 Billionen Dollar sei betroffen, sagte IWF-Bankenexperte Peter Dattels am Mittwoch in Washington. «Ein Teil des Systems muss schrumpfen», sagte Dattels. Die Banken müssten sich insgesamt auf eine Ära chronisch schwachen Wachstums, anhaltend niedriger Zinsen und politischer Unwägbarkeiten einstellen.

Forderung aus den USA

Die zuletzt wieder in die Schlagzeilen geratene Deutsche Bank stehe vor der Herausforderung, Investoren überzeugen zu müssen, dass ihr Geschäftsmodell existenzfähig ist, sagte Dattels.

Die Deutsche Bank ist an der Börse in einen Abwärtsstrudel geraten, nachdem das US-Justizministerium die Summe von 14 Milliarden Dollar in Zusammenhang mit Vergehen beim Umgang mit Hypothekenpapieren gefordert hatte. Zahlreiche Investoren hatten ihre Anteile an der Bank verkauft, der Aktienkurs begab sich auf eine Berg- und Talfahrt. Die Bank selbst hofft, die Summe deutlich nach unten korrigieren zu können.

«Erhebliches Fehlverhalten»

Auf die Frage, ob das US-Justizministerium bei seinen Forderungen gegenüber europäischen Banken mit unverantwortlich hohen Beträgen hantiere, antworteten die IWF-Experten zurückhaltend. Der europäische Bankensektor müsse sich «erhebliches Fehlverhalten und Unverantwortlichkeit vorwerfen lassen», sagte IWF-Finanzexperte Matthew Jones. Auch bei den Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse steht noch eine Einigung mit dem US-Justizministerium zu den Hypothekenpapieren aus.

In seinem Finanzmonitor wies der IWF auch auf die seit Beginn der Finanzkrise angehäufte und noch immer nicht abgebaute hohe Schuldenlast privater und öffentlicher Haushalte hin.

Banken ausser acht gelassen, war die Welt mit 152 Billionen Dollar verschuldet. Das entspricht 252 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung. Davon entfallen zwei Drittel auf Privathaushalte. Die Weltwirtschaft befinde sich in einem Teufelskreis: Hohe Schulden hemmen das Wachstum, schwaches Wachstum hemmt den Schuldenabbau.

(sda/gku)

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