Im Kampf um die Macht in Italien stellt sich nun auch der Koalitionspartner Lega Nord offen gegen Ministerpräsident Silvio Berlusconi. Lega-Nord-Chef Umberto Bossi forderte den Rücktritt Berlusconis. «Wir haben den Ministerpräsidenten um seinen Abgang gebeten», sagte Bossi vor einer mit Spannung erwarteten Parlamentsabstimmung, die über Berlusconis Zukunft entscheiden könnte. Bossi ergänzte, Berlusconi könne durch den Generalsekretär der Regierungspartei PDL, Angelino Alfano, ersetzt werden.

Bei der bevorstehenden Parlamentsabstimmung zur Absegnung des Haushalts 2010 wollten sich fünf Abgeordnete von Berlusconis Partei PDL enthalten. Enthalten wollen sich ebenso die grossen Oppositionsparteien. Zwar wird damit der Haushaltsbericht das Parlament mit relativer Mehrheit passieren. Zugleich aber dürfte die Enthaltung offenbaren, wie dünn seine Mehrheit noch ist, lautet der Kalkül der Opposition.

Der Euro hat vor dieser vielbeachteten Abstimmung im italienischen Parlament ins Minus gedreht. Die Hoffnung auf einen nahenden Rücktritt des italienischen Premierministers Silvio Berlusconi hatten der Gemeinschaftswährung zuvor Auftrieb gegeben. Nachdem der Euro am Vormittag zunächst bis auf 1,3793 US-Dollar angestiegen war, sackte der Kurs zuletzt wieder auf 1,3763 Dollar ab. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Montag auf 1,3742 (Freitag: 1,3773) Dollar festgesetzt.

Überraschende Abreise des potenziellen Nachfolgers

Die Nachricht, der italienische Finanzminister Giulio Tremonti habe das EU-Finanzministertreffen Brüssel in Brüssel Richtung Italien verlassen, sorgte am Vormittag für zwischenzeitlichen Auftrieb beim Euro. Tremonti gilt als potenzieller Nachfolger Berlusconis im Regierungsamt. Seit Wochenbeginn verdichten sich die Gerüchte über das an den Finanzmärkten herbeigesehnte Ende der Ära Berlusconi.

An den Devisenmärkten bleiben alle Augen auf Italien gerichtet. Eine neuerliche Abstimmung über den Rechenschaftsbericht 2010 könnte Berlusconi nach Einschätzung von Experten bereits am Nachmittag zum Abgang bewegen. Italien ist nach Griechenland das am höchsten verschuldete Euro-Land und steht seit Wochen an den Finanzmärkten unter Druck.

Gegenüber dem Schweizer Franken hat sich die europäische Gemeinschaftswährung im Verlaufe des Dienstag ebenfalls abgeschwächt, hält sich aber immer noch über 1,23. Aktuell kostet der Euro 1,2349 CHF verglichen mit 1,2438 CHF am Morgen. Die Devisen-Experten der ZKB vermuteten am Morgen, dass der EUR/CHF um 1,2475 ins Stocken geraten könnte. Werde diese Hürde allerdings klar nach oben durchbrochen, besteht zusätzlich Raum bis 1,2645. Bei Rückschlägen dürfte der Bereich um 1,2325 gute Unterstützung bieten, heisst es in einem Kommentar.

(vst/awp/sda)

 

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