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Lebenskosten in Grossbritannien ziehen an

Lebenskosten in Grossbritannien ziehen an
Gemüsemarkt in London: Nach dem Brexit-Votum wird vieles teurer. Keystone

Die Preise in Grossbritannien haben nach dem Brexit-Votum spürbar zugenommen. Grund ist der Einfluss des tieferen Pfunds auf die Importpreise. Die Geschäfte der Detailhändler laufen aber noch gut.

Nach der Brexit-Abstimmung in Grossbritannien zieht die Inflation auf der Insel an. Die Kosten für die Lebenshaltung stiegen nach Angaben des Statistikamtes (ONS) im Juli - dem ersten Monat nach dem Anti-EU-Referendum - um 0,6 Prozent und damit so stark wie seit Ende 2014 nicht mehr. Im Juni hatte die Jahresteuerung noch bei 0,5 Prozent gelegen.

Die Erzeugerpreise, also die Kosten ab Werkstor, legten laut den am Dienstag vorgelegten Daten im Juli zum Vorjahresmonat um 0,3 Prozent zu. Das ist der kräftigste Anstieg seit mehr als zwei Jahren. «Dies lässt darauf schliessen, dass der Wechselkurseffekt die Importpreise für die Hersteller allmählich nach oben treibt», sagte ONS-Experte Mike Prestwood.

Das Pfund ist nach dem Anti-EU-Votum der Briten vom 23. Juni auf Talfahrt gegangen, wodurch sich beispielsweise Energie-Importe tendenziell verteuern.

Rascher Anstieg der Inflation erwartet

Ökonom James Smith von der Bank ING rechnet damit, dass die Inflationsrate in den nächsten Monaten relativ schnell ansteigen wird. Anfang 2017 werde wahrscheinlich das von der Notenbank angepeilte Ziel von zwei Prozent überschritten und im weiteren Jahresverlauf auch die Drei-Prozent-Marke geknackt.

Daher sei es sehr wahrscheinlich, dass sich die Bank of England (BoE) noch 2016 zu einer weiteren Zinssenkung durchringen werde. Die BoE hatte Anfang August den Schlüsselsatz zur Versorgung der Banken mit Geld auf das historische Tief von 0,25 Prozent gekappt. Die Londoner Notenbank und auch viele Experten befürchten, dass sich die Unsicherheit über die künftige wirtschaftliche Verankerung des Vereinigten Königreichs zunächst bei den Investitionen bemerkbar machen wird.

Die Konsumenten dürften in einer zweiten Welle von den Folgen des Referendums erfasst werden, falls der Verfall der Landeswährung die Inflation tatsächlich anheizen und womöglich die Arbeitslosigkeit in die Höhe treiben sollte. Ungeachtet des Brexit-Votums laufen die Geschäfte der Detailhändler auf der Insel allerdings noch gut.

(sda/gku/ama)

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