Die Gerichte im Euro-Krisenland Spanien haben im vergangenen Jahr einen Rekord von 101'034 Zwangsräumungen von Immobilien angeordnet. Wie der Generalrat der Justiz (CGPJ) in Madrid bekanntgab, wurden davon im vergangenen Jahr mindestens 46'408 abgewickelt. Das seien 13,9 Prozent mehr als 2011, hiess es.

Nach Beginn der Krise vor etwas mehr als viereinhalb Jahren wurden in Spanien nach Schätzungen verschiedener Organisationen mehr als 350'000 Familien aus ihren Wohnungen geworfen.

Die Behörden betonten, dass man die neuen Zahlen nicht alle unbedingt mit denen früherer Jahre vergleichen könne. Nun seien nämlich auch die in erster Instanz verfügten Zwangsräumungen wegen Insolvenz der Bewohner berücksichtigt worden. Die Zahlen zeigten aber eine Tendenz.

Der Europäische Gerichtshof hatte erst vergangene Woche das spanische Verfahren zur Zwangsräumung von Wohnungen für illegal erklärt. Nach dieser Entscheidung verstösst die spanische Gesetzgebung gegen den im EU-Recht verankerten Verbraucherschutz. Spanien versprach eine Gesetzesreform.

(tno/awp)