Der norwegische Terrorverdächtige hat die ihm zur Last gelegten Taten zugegeben. Sein Mandant habe den «Sachverhalt eingestanden», sagte sein Verteidiger Geir Lippestad dem Sender NRK. Die Polizei bestätigte, dass der 32-Jährige beide Taten gestanden habe.

Wie Polizeisprecher Sveinung Sponheim am Sonntag in einer Pressekonferenz in Oslo mitteilte, lehnt der mutmassliche Attentäter die strafrechtliche Verantwortung für seine Handlungen jedoch ab.

Der Mann, der laut Polizei «christlich-fundamentalistisch» orientiert ist, kündigte nach Angaben seines Verteidigers an, bei einem Haftprüfungstermin am Montag weitere Einzelheiten zu den Anschlägen zu nennen.

Sein Mandant habe die Tat «wahrscheinlich seit langem geplant», sagte Lippestad. Der 32-Jähirge habe sein Handeln als «grausam» beschrieben. Er habe aber «diese Taten zu Ende bringen müssen».

Dem Mann wird zur Last gelegt, am Freitag im Osloer Regierungsviertel eine Bombe gezündet und wenig später auf Teilnehmer eines Jugendlagers der regierenden Arbeiterpartei auf der Insel Utøya geschossen zu haben. Durch die beiden Taten starben mindestens 93 Menschen.

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Noch immer würden mindestens vier Jugendliche aus dem Ferienlager vermisst, meldete der Fernsehsender NTB am Samstagabend. Bei der Suche in dem See rund eine Autostunde von Oslo entfernt seien auch etwa 50 spezielle Spürhunde, ein Mini-U-Boot und Taucher im Einsatz.

Manifest zum «Rassenkrieg»

Unterdessen wurde bekannt, dass der mutmassliche Attentäter noch kurz vor der Tat offenbar ein 1560-seitiges Manifest im Internet veröffentlicht hat. Das Dokument wurde teilweise als Tagebuch geführt, teils gibt es Anleitungen zum Bombenbau oder beschreibt die Islamfeindlichkeit des Autors.

In dem in englischer Sprache verfassten Schreiben gehe es unter anderem um «Rassenkrieg» und die Frage, wie Europa sich von Zuwanderern und Marxisten befreien könne, meldeten Medien. «Ich werde als das grösste (Nazi-)Monster beschrieben werden, das es seit dem Zweiten Weltkrieg gegeben hat», heisst es darin.

Aus dem Dokument geht auch hervor, dass der 32-Jährige seine Taten offenbar neun Jahre lang geplant hatte. Zum Schluss ist vermerkt: «Ich glaube, dies ist der letzte Eintrag, den ich schreibe. Es ist jetzt Freitag, der 22. Juli, 12.51.» Gut zweieinhalb Stunden später detonierte die Bombe im Osloer Regierungsviertel.

Mit Sturmgewehr für die Kreuzritter

Norwegische Medien schrieben dem Verdächtigen auch ein inzwischen von den Betreibern gelöschtes Video auf der Internetplattform YouTube zu. In dem zwölf Minuten langen Film, der am Freitag eingestellt wurde, wechseln sich islamophobe Tiraden mit Lob für die mittelalterlichen Kreuzritter ab.

Auch der Marxismus und multikulturelle Gesellschaften werden darin kritisiert. Der mutmassliche Täter ist darin auf drei eingeblendeten Fotos zu sehen. Eines zeigt ihn mit einem Sturmgewehr.

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Die Zeitung «Dabladet» berichtete, das Video sei eine Zusammenfassung des Manifests.

(tno/sda)