Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) fordert von der Euro-Zone, ihren finanziellen Schutzwall gegen die Schuldenkrise deutlich zu erhöhen. «Die europäischen Brandmauern müssen weiter erhöht und glaubwürdiger gemacht werden, um Vertrauen wieder herzustellen», heisst es in einem in Brüssel veröffentlichten OECD-Bericht zur Lage in der Euro-Zone.

Die Euro-Länder diskutieren derzeit über die Höhe der Mittel, die sie in den beiden Euro-Rettungsfonds EFSF und ESM zum Schutz des Euro vorhalten müssen. «Um Spannungen an den Märkten zu beruhigen, müssen die Fonds in einem ausreichenden Masse bereitstehen, um möglichen künftigen Anträgen auf Finanzhilfe standzuhalten», warnten die OECD-Experten.

Die Organisation schätzt, dass angeschlagene Euro-Länder in den kommenden beiden Jahren einen Finanzierungsbedarf in Höhe von einer Billion Euro haben werden. Hinzu kommen demnach Beiträge zur Rekapitalisierung von Banken aus der Euro-Zone. «Obwohl es unklar ist, ob Mittel in dieser Höhe jemals in Anspruch genommen werden, könnte die Verfügbarkeit glaubwürdiger Brandmauern das Vertrauen stärken.»

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«Eine klare Botschaft an die Finanzmärkte und die Welt»

OECD-Generalsekretär Angel Gurria fordert bereits im Interview in der aktuellen Ausgabe der «Handelszeitung»: «Wir müssen die Mutter aller Brandmauern bauen. Je dicker und eindrucksvoller sie ist, desto weniger wahrscheinlich werden wir sie brauchen.» Ein angemessener finanzieller Stabilisierungsfonds müsse «mindestens 1000 Milliarden Euro schwer sein».

Die EU-Staaten dürften nicht mehr länger zuwarten. Die Finanzmärkte nützten Zögerlichkeit und Unsicherheit aus. «Eine Brandmauer wäre aber ein Signal, eine klare Botschaft an die Finanzmärkte und die Welt. Und sie dämmt die Gefahr einer weiteren Ansteckung ein», so Gurria. Spanien und Portugal könnten schon bald die nächsten Opfer der Finanzmärkte sein.

Dauerhafter Euro-Rettungsfonds ab Sommer

Bislang sind die zum Einsatz gegen die Schuldenkrise einsetzbaren Mittel deutlich geringer als von der OECD gefordert. Der bisherige Euro-Rettungsfonds EFSF kann insgesamt 440 Milliarden Euro einsetzen. Im Sommer tritt dann der dauerhafte Euro-Rettungsfonds ESM in Kraft, der schrittweise bis zu 500 Milliarden Euro zum Kampf gegen die Krise erhalten soll.

Bisher war geplant, dass das verfügbare Geld auch in einer Übergangsphase, in der beide Fonds nebeneinander bestehen, nicht die Summe von insgesamt 500 Milliarden Euro übersteigt.

(tno/aho/sda)