Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sieht das Risiko einer «schweren Rezession» in der Euro-Zone. Es drohe ein wirtschaftlicher Rückgang von 2 Prozent, erklärte der OECD-Chefökonom Pier Carlo Padoan.

Er forderte die Regierungen und die Europäische Zentralbank auf, schnell zu handeln, um ein Übergreifen auf die Weltwirtschaft zu verhindern.

Die Organisation hatte zuvor ihren halbjährigen Wirtschaftsausblick veröffentlicht. Für die Schweiz rechnet die OECD dieses Jahr mit einer Verlangsamung des Wirtschaftswachstum auf 0,9 Prozent. Im kommenden Jahr dürfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) dann um 1,9 Prozent steigen und damit wieder so stark wie 2011.

Schweizer Grossbanken mit wenig Risikokapital

Die Wachstumsrisiken ortet die OECD in erster Linie bei der Entwicklung der wichtigsten Handelspartner, allen voran jenen der Euro-Zone sowie in der Zinsentwicklung.

Zwar sei die direkte Exponierung des Schweizer Banksektors gegenüber der Euro-Schuldenkrise moderat. Doch die beiden Grossbanken verfügten nach wie vor nur über sehr wenig Risikokapital, womit das Risikopotenzial für die Wirtschaft des Landes steige, sollten die Turbulenzen an den Finanzmärkten andauern.

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Für die deutsche Wirtschaft wird bis 2013 eine weitere Erholung vorausgesagt. Das Wachstum werde 2013 bei 2 Prozent liegen, hiess es. Die Gründe dafür seien eine niedrige Arbeitslosenquote und eine erfolgreiche Haushaltskonsolidierung.

Für die Euro-Zone besteht nach Einschätzung der OECD nur geringe Hoffnung auf eine Konjunkturbelebung. Warnend heisst es im neuen Konjunkturausblick der Industrieländerorganisation: «Durch die jüngsten Ereignisse haben sich die Abwärtsrisiken zusätzlich erhöht.» Die sich wieder verschärfende Krise im Euro-Raum stelle nach wie vor den grössten Risikofaktor für die Weltwirtschaft dar, der Prozess des Schuldenabbaus habe noch kaum begonnen.

Teufelskreis und Reformmüdigkeit

«Die von den Anstrengungen zur Konsolidierung der öffentlichen Finanzen ausgehende Bremswirkung könnte erheblich sein, besonders in einigen Ländern», mahnt Chef-Ökonom Pier Carlo Padoan. Verantwortlich dafür macht er «grundlegende wirtschaftliche, fiskalische und finanzielle Ungleichgewichte innerhalb des Euroraums».

Die Konjunkturerholung in den Ländern mit einer robusteren Verfassung könne kaum das darniederliegende Wachstum in anderen Ländern ausgleichen. «Vor diesem Hintergrund wächst die Gefahr eines Teufelskreises, der durch eine hohe und nicht abnehmende Verschuldung, ein schwaches Bankensystem, eine zu starke fiskalische Straffung und ein niedrigeres Wachstum in Gang gesetzt werden könnte», heisst es in dem Bericht, der vor einer «Reformmüdigkeit» in mehreren Euro-Ländern warnt.

Strenge Haushaltsdisziplin und eine erfolgreiche Konsolidierung der öffentlichen Finanzen könnten die Rahmenbedingungen zur Schaffung eines «Wachstumspakts» schaffen.

(tno/sda)