In Städten wie Rom, Mailand oder Bologna feierten in der Nacht zum Sonntag Tausende Berlusconi-Gegner das politische Ende des Medienunternehmers. Einige schimpften den 75-Jährigen, der 17 Jahre lang - mit Unterbrechungen - die Geschicke Italiens leitete, auf der Strasse «Mafioso» oder «Clown». Berlusconi hat mehrere Prozesse am Hals - wegen Korruption oder Sex mit einer Minderjährigen.

Nach dem Rücktritt von Ministerpräsident Silvio Berlusconi hatte Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano in Rom Gespräche über die Bildung einer Übergangsregierung geführt. Napolitano empfing am Sonntag auch Senatspräsident Renato Schifani und den Präsidenten des Abgeordnetenhauses, Gianfranco Fini.

Der 68-jährige Mario Monti war von Napolitano am Mittwoch zum Senator auf Lebenszeit ernannt worden. Dies wurde bereits als Zeichen bewertet, dass Monti der nächsten Regierung vorstehen dürfte. Die Partei des zurückgetretenen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi stimmte der Bildung einer Regierung unter Führung von Monti unter Vorbehalten zu.

Rasches Handeln zur Beruhigung der Märkte

Ziel des raschen Handelns war es, dass die definitive politische Lösung noch vor Börseneröffnung am Montag steht. Die neue Regierung unter Führung des international hoch angesehenen Wirtschaftsexperten Monti soll das Vertrauen der Investoren wieder herstellen und Italien aus der Schuldenkrise führen.

Auf Berlusconis Nachfolger kommen gewaltige Herausforderungen zu: Das Land kann sich kaum noch zu tragfähigen Zinsen refinanzieren und könnte der nächste Krisenfall der Euro-Zone werden.

Berlusconi war am Samstagabend zurückgetreten. Zuvor hatte mit dem Abgeordnetenhaus auch die zweite Parlamentskammer das neue Sparpaket verabschiedet, was er als Voraussetzung für einen Rücktritt genannt hatte. Es sieht unter anderem eine Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre und die Privatisierung von Staatseigentum vor.

Der in zahlreiche Sex- und Korruptionsskandale verwickelte Medienmilliardär war zuletzt auch in den eigenen Reihen immer stärker unter Druck geraten und hatte seine Mehrheit im Parlament verloren. An den Finanzmärkten wurde seine Bereitschaft zur Haushaltssanierung angezweifelt.

Berlusconi wieder durch die Hintertür?

Berlusconi dominierte die italienische Politik rund 17 Jahre. Kein anderer Ministerpräsident war in Italien länger im Amt. Nach seinem Rücktritt kam es auf den Strassen Roms zu Jubelfeiern Tausender Menschen.

Einen Tag nach seinem Rücktritt hat der bisherige italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi seine Absicht kundgetan, erneut an die Regierung zurückkehren zu wollen. Dies nährt Spekulationen, dass Berlusconi in der Politik bleiben und bei den nächsten Parlamentswahlen wieder kandidieren könnte.

In einem Schreiben an die Rechtspartei «La Destra» («Die Rechte») aus Anlass von deren Parteitag in Turin äusserte sich Berlusconi «stolz» über das, was seine Regierung in den zurückliegenden dreieinhalb Jahren inmitten einer «beispiellosen internationalen Krise» geleistet habe.

«Ich teile Ihre Überzeugungen und hoffe, dass wir erneut gemeinsam den Weg zur Regierung beschreiten werden», heisst es in dem Brief an die kleine Rechtspartei.

Berlusconi betonte, er hoffe, dass die errungenen Resultate zur Modernisierung Italiens nicht verloren gehen würden. «Jemand sorgte dafür, dass die italienische Politik einen Sprung zurück macht, als der Wille der Wähler von Parteioligarchien ignoriert wurde, die die Macht verwalteten, ohne sich bei den Bürgern verantworten zu müssen», warnte Berlusconi.

(vst/sda)

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