Die Preise in Grossbritannien fallen erstmals seit 1960. Wie das Statistikamt ONS mitteilte, sanken die Lebenshaltungskosten im April zum Vorjahr um 0,1 Prozent. Eine negative Inflationsrate lässt normalerweise bei Ökonomen die Alarmsirenen schrillen.

Fallende Preise können die Konjunktur in eine deflationäre Abwärtsspirale stürzen. Unternehmen halten sich dann mit Investitionen zurück, Konsumenten kaufen weniger. Doch Finanzminister George Osborne gab umgehend Entwarnung: Die Inflationsrate signalisiere keine «schädliche Deflation».

Osterfest nicht im April

Die britische Notenbank hat sich darauf eingestellt, dass die Preise auf der Insel nur vorübergehend sinken werden. Im April kam hinzu, dass das üblicherweise mit steigenden Kosten für Urlauber verbundene Osterfest dieses Jahr nicht in den April fiel. Hauptgrund für die niedrigeren Lebenshaltungskosten ist aber, dass sich Öl zum Vorjahr verbilligt hat. Dieser statistische Effekte dürfte im Laufe des Jahres auslaufen.

Nach Einschätzung von Notenbankchef Mark Carney wird die Inflation voraussichtlich nach mehreren Monaten wieder anziehen. Da die Konjunktur in Grossbritannien mittlerweile wieder rund läuft, ist es laut Carney daher eher unwahrscheinlich, dass die Bank of England die Zinsen weiter senkt.

Zinserhöhung erwartet

An den Märkten wird damit ohnehin nicht gerechnet. Als wahrscheinlich gilt, dass die Zantralbank den historisch niedrigen Leitzins von derzeit 0,5 Prozent in rund einem Jahr anheben wird.

(sda/tno/ama)