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Prodi zur Euro-Krise: «Kollaps undenkbar»

Romano Prodi: Es führt kein Weg an Euro-Bonds vorbei. (Bild: Keystone)

Romano Prodi blickt mit Zuversicht auf den EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag. Die EU schneide überall viel besser ab als die USA, sagt der Ex-Kommissionspräsident im Gespräch mit der «Handelszeitung

Von Pascal Ihle
am 07.12.2011

Der ehemalige EU-Kommissionspräsident und italienische Regierungschef Romano Prodi ist trotz der ernsten Lage positiv für Europa gestimmt. «Ich halte einen Kollaps für undenkbar», sagt Prodi in einem Exklusiv-Interview mit der «Handelszeitung».

Die EU schneide überall viel besser ab als die USA. «Das kumulierte Defizit in der EU ist um 4 Prozentpunkte niedriger», so Prodi weiter. Der Sturm, der in Europa tobe, sei eine Folge davon, dass die wirtschaftliche Situation von Land zu Land stark variiere und die Euro-Länder nicht geeint aufträten. «Wir haben keine gemeinsame Wirtschafts- und Fiskalpolitik – das verunsichert die Finanzmärkte.»
 
Obwohl Prodi die Situation als schwierig erachtet, sieht er im Vorfeld des EU-Gipfels von Donnerstag und Freitag jetzt überall den Willen, wirklich gegen die Krise anzukämpfen. Zuversichtlich stimmt ihn diesbezüglich die jüngste, weltweit koordinierte Intervention der Nationalbanken. Die Euro-Staaten müssten nun, so Prodi, ihre Staatshaushalte in den Griff bekommen. «Das heisst ein ausgeglichenes Budget präsentieren, und zwar langfristig, nicht nur kurzfristig.»

Euro-Bonds entscheidend

Zudem hat die Krise laut Prodi gezeigt, dass die EU nicht mehr so weitermachen könne wie bis anhin. «Es braucht eine gemeinsame Finanz- und Wirtschaftspolitik», so seine Überzeugung. Zudem müsse die Europäische Zentralbank mehr Macht erhalten.

«Wir müssen uns gemeinsam gegen die Angriffe der Finanzmärkte wehren, so mit Euro-Bonds.» Es sei ihm bewusst, dass das Wort Euro-Bonds in Deutschland noch ein Tabu-Wort sei. «Aber es führt kein Weg daran vorbei. Wenn die Europäische Zentralbank diese Möglichkeit nicht erhält, dann ist es wirklich nicht mehr weit bis zu einem Auseinanderbrechen des Euro.»

Lesen Sie das ganze Interview mit Romano Prodi in der neuen Ausgabe der «Handelszeitung», ab Donnerstag am Kiosk.

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