Der mutmassliche serbische Kriegsverbrecher Ratko Mladic ist am Dienstag von Serbien an das UNO-Tribunal in Den Haag ausgeliefert worden. Der 69-Jährige traf am Abend in einer Sondermaschine der serbischen Regierung in Rotterdam ein.

 

Von dort wurde er unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen in das Gefängnis in Scheveningen überstellt, wie offiziell bestätigt wurde. Mladic muss jetzt innerhalb von 48 Stunden erstmals vor dem Richter des UNO-Tribunals erscheinen. Dann wird ihm die Anklage verlesen, anschliessend muss er sich für schuldig oder unschuldig bekennen.

Wenige Stunden zuvor hatte das Gericht in Belgrad einen Einspruch von Mladic gegen die Auslieferung abgelehnt, Justizministerin Snezana Malovic unterzeichnete daraufhin die Auslieferungsdokumente. "Mladic ist ausgeliefert", sagte sie vor den Medien in Belgrad.

Der meistgesuchte mutmassliche Kriegsverbrecher Europas war in der vergangenen Woche nach fast 16 Jahren auf der Flucht in einer Ortschaft nördlich von Belgrad festgenommen worden. Dem 69-Jährigen werden Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen.

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Unter anderem geht es um die Ermordung von bis zu 8000 muslimischen Männern und Knaben im ostbosnischen Srebrenica im Juli 1995, um Grausamkeiten in Gefangenenlagern, so genannte ethnische Säuberungen und den jahrelangen Beschuss von Sarajevo mit schweren Waffen, wobei tausende Menschen getötet wurden.

Bereits am Tag nach der Verhaftung Mladics hatte das serbische Sondergericht für Kriegsverbrechen seine Überstellung nach Den Haag genehmigt. Am Montag hatte Mladics Anwalt den Antrag auf Berufung eingereicht; nach Überzeugung seines Umfelds ist Mladic gesundheitlich nicht in der Lage, an einem Prozess teilzunehmen.

Besuch am Grab seiner Tochter

Am Dienstagmorgen besuchte Mladic das Grab seiner Tochter Anna in Belgrad. Er wurde unter strengen Sicherheitsvorkehrungen zum Grab auf dem Topcider-Friedhof gebracht.

Die damals 24-jährige Medizinstudentin hatte sich im März 1994 mit der Pistole ihres Vaters umgebracht. Nach Medienberichten soll sie aus Gram über ihren Vater gehandelt haben. Mladic selbst hatte stets behauptet, seine Tochter sei umgebracht worden.

Seit seiner Festnahme hatte Mladic darauf bestanden, vor seiner Überstellung nach Den Haag das Grab noch einmal besuchen zu können. "Wir haben unser Versprechen gehalten", sagte der Sprecher der serbischen Staatsanwaltschaft für Kriegsverbrechen im serbischen Fernsehen. Der Besuch habe etwa 20 Minuten gedauert.

Tausende demonstrieren für Mladic

Vielen vor allem nationalistischen Serben gilt Mladic indes noch immer als Held. Tausende Anhänger demonstrierten am Dienstag in Banja Luka gegen die Verfolgung Mladics durch die Justiz. Nach Angaben der Organisatoren beteiligten sich rund 10'000 Menschen an den Protesten.

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In der Hauptstadt der serbischen Landeshälfte Bosniens trugen die Mladic-Anhänger Transparente mit Aufschriften wie "Für uns alle bist Du ein Heiliger" und "Mladic ist ein serbischer Held". Alle Serben in Bosnien seien aufgerufen, "die Errungenschaften des vaterländischen Verteidigungskrieges zu bewahren", sagten die Redner.

(laf/sda)