Weltbank-Präsident Robert Zoellick hat den Europäern angesichts der Euro-Krise ins Gewissen geredet und sie vor halbherzigen Lösungen gewarnt. «Die Zeit sich durchzuwursteln ist vorbei», sagte Zoellick in einem Interview des Magazins «The International Economy». Die wirkliche Frage, mit der die Europäer es zu tun hätten, sei die Entscheidung über die Zukunft des europäischen Wirtschaftssystems.

Die Eurozone habe die Wahl zwischen zwei Wegen. Der eine sei die Schaffung einer politischen und Finanzunion als Ergänzung zur Währungsunion. Dabei gehe es nicht nur um die Frage von Euro-Bonds. «Was ist mit künftigen Schulden», fragte der Weltbank-Präsident beispielsweise. «Man spricht von einem europäischen Finanzministerium - was heisst das in Sachen Kontrolle? Und was ist die Zielrichtung bei der Wettbewerbsfähigkeit? Wird jeder wie Deutschland oder wird Deutschland wie jeder andere?»

Der zweite Weg sei eine Absage an eine Finanzunion, so Zoellick weiter. Aber dann müsse Europa Konsequenzen im Umgang mit einigen Staaten ziehen, die zu hoch verschuldet oder die nicht wettbewerbsfähig seien. «Das derzeitige System lässt sich nicht aufrechterhalten», schloss Zoellick. «Am Ende wird sich die Europäische Union diesen Entscheidungen stellen müssen. Zumindest täten die politischen Führer gut daran zu wissen, wohin sie gehen wollen.»

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Wirtschafts-Nobelpreisträger Paul Krugman rät in einem Interview mit dem «Handelsblatt» den Europäern, für die Euro-Rettung die Notenpresse der Europäischen Zentralbank anzuwerfen und so viele Italien-Anleihen wie nötig zu kaufen. Der Preis eines Auseinanderbrechens des Euros sei zu hoch. Krugman sprach sich für eine kompromisslose Politik aus: «Die EZB muss klar machen: Wir kaufen so viel wie eben nötig ist.» Die dabei drohende Inflationsgefahr hält Krugman für beherrschbar.

(vst/kgh/awp)