Schweizer Touristiker rechnen für diese Wintersaison mit einem Übernachtungsplus von 2 Prozent. Womit rechnen Sie in Ischgl?
Andreas Steibl: Wenn wir das Niveau vom Vorjahr halten können, sind wir erfolgreich. Wir hatten zwei sehr erfolgreiche Saisons. Neu kommt hinzu, dass ein Quellmarkt schwächelt.

Die Russen?
Russland ist im Winter hinter Deutschland, Holland und der Schweiz unser viertwichtigster Markt. Aufgrund der Rubel-Schwäche müssen wir von einem russischen Minus von 20 bis 25 Prozent ausgehen.

Wie können Sie gegensteuern?
Für kommende Saison rechnen wir erneut mit einem 10-prozentigen Anstieg der Schweizer Gäste. Salopp gesagt: Erreichen wir das, füllen die Schweizer unser Russenloch - wenn es gelingt, die Schweizer auch in der Zeit des russischen Neujahrs im Januar nach Ischgl zu holen. Natürlich bleiben wir am russischen Geschäft dran. Wir müssen zusätzliche Anreize bieten. Angedacht ist bei einigen Hoteliers, dass man russischen Gästen kostenlose Transfers ab den Flughäfen Innsbruck, München und Zürich bieten könnte.

Die Schweizer reagieren so auf kriselnde Märkte: Sie verschenken den Skipass zur Hotelnacht oder offerieren Gratisfahrten für Kinder. Eine gute Idee?
Überhaupt nicht. Was die Schweizer da tun, ist imageschädigend. Hinter jeder erfolgreichen Destination steht eine rentable Bergbahn. Mit solchem Dumping schadet man sich nur selber - und kreiert die Gefahr, dass andere nachziehen müssen. Leistungen verschenken ist das Schlechteste, was man tun kann.

Angenommen, Ihr Nachbarland könnte bei Lohn-, Bau- und Lebensmittelkosten 40 Prozent günstiger produzieren. Wie würden Sie da reagieren?
Ich sehe das Schweizer Problem. Man muss in Mehrwerte punkto Angebot, Service und Events investieren. Man kann zum Beispiel bei einer Hotelbuchung den Skiverleih vergünstigen, aber sicher nicht verschenken. Man kann den persönlichen Bergbahn-Service verbessern. Oder eine App kreieren, die dem Skigast aktuell zeigt, wo es mittags freie Plätze im Pistenrestaurant gibt. Technologisch kann man eine Menge tun. Wir prüfen, über das ganze Ski- und Dorfgebiet eine WLAN-Wolke zu legen. Heute betreiben wir erst ein paar Hotspots, da können wir besser werden.

Und haben Sie Angst vorm Halli-Galli-Overkill?
Könnte sein. Wobei mich die Halli-Galli-Pauschalisierung aufregt. Ischgl ist nicht der Ballermann der Alpen. Die Gäste kommen vorrangig wegen des Skifahrens zu uns. Wir sehen uns als Alpen-Lifestyle-Metropole.

Sehen Sie die Liste der Orte der beliebtesten Skiorte der Schweiz und Österreichs in der oben stehenden Bildergalerie.

Und das ganze Interview mit Andreas Steibel lesen Sie in der neuen «Handelszeitung», jetzt am Kiosk oder mit Abo bequem jede Woche im Briefkasten.

 

Anzeige

In diesen Kantonen machen die Russen Urlaub

1|7

Die russischen Touristen bleiben der Schweiz fern. In den ersten neun Monaten 2014 gingen die Gästezahlen zum ersten Mal seit Jahren zurück.