Die Zürcher Independent Credit View (I-CV) rechnet damit, dass die offiziellen Ratingagenturen mehr Ländern das «AAA» aberkennen werden. In einer Länderstudie analysierte I-CV 47 Staaten. Von denen erhalten von den Ratingagenturen noch 12 bis 15 Staaten die Bestnote, schreiben die Zürcher in einer Mitteilung. «Dem gegenüber vergibt I-CV aktuell nur vier Staaten (Singapur, Schweden, Norwegen und Schweiz) eine AAA-Bonitätsbewertung.»

Besonders bei Industrienationen wirken sich demnach der Reformstau, die ungelöste Bankenkrise, das rezessionäre Makroumfeld sowie in der Währungsunion schleichende Verallgemeinerung der Schuldenlast negativ aus. I-CV erwartet Rückstufungen durch die offiziellen Agenturen in den kommenden drei bis fünf Jahren.

Die Rating-Firma geht davon aus, dass auch Deutschland das höchste Rating verlieren wird. «Das Land müsse direkt und indirekt Verantwortung für das Engagement in der Euro-Krise übernehmen. «Als Hauptsponsor des Euro-Experiments trägt sie bei den verschiedenen Stützungsmechanismen die Hauptlast. Darüber hinaus drücken die demografischen Veränderungen künftig auf den Staatshaushalt», so I-CV.

Anzeige

Lob bekommt I-CV von der «Financial Times Deutschland». Die Studien der Firma hätten sich häufig als hellsichtig erwiesen und würden daher für Investoren an Bedeutung gewinnen, schreibt die Zeitung. Anders als die Ratingagenturen Fitch, Moody's und Standard & Poor's könne I-CV unabhänig urteilen, da sie sich nicht von den Emittenten bezahlen lasse, sondern von Investoren, vor allem von Versicherern, Fonds und Pensionskassen aus dem deutschsprachigen Raum.

(tno/chb)