Die Schweizerische Nationalbank (SNB) sieht in einer Bankenunion einen möglichen Ausweg aus der Euro-Krise. Eine Bankenunion, die am jüngsten EU-Gipfel diskutiert wurde, wäre eine mögliche Stossrichtung, um die Abhängigkeit zwischen Staaten und Banken zu vermindern.

Damit könnte man die Rekapitalisierung der wichtigsten Institute in der Euro-Zone in einem gemeinschaftlichen Schritt vollziehen, sagte SNB-Präsident Thomas Jordan in einem vorab veröffentlichtem Interview mit der deutschen Zeitung «Handelsblatt»: «Über eine Bankenunion könnte man am schnellsten eine vertiefte Integration erreichen.»

Damit liesse sich auch die Forderung der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel nach einer Verbindung von Haftung und Kontrolle erfüllen. Das Geld dafür könnte aus den bestehenden europäischen Rettungsschirmen kommen und direkt an die Banken gehen.

Kontrollen äusserst wichtig

«Wenn die starken Staaten den schwachen helfen, wird die Gesamtbelastung der Union insgesamt nicht verändert», sagte Jordan. Trotzdem könnte die Euro-Zone sich dadurch stabilisieren, weil so Zeit für nötigen Reformen gewonnen werden könnte.

Bedingungen und Kontrollen seien aber äusserst wichtig, damit die Zeit auch tatsächlich genutzt werde und damit es nicht zu einer Ausweitung des moralischen Risikos komme.

Jordan räumte allerdings auch ein, dass die Bankenhilfe als Freibrief auf Kosten der Steuerzahler missverstanden werden könnte: «Deshalb ist es so zentral, dass für die Hilfe die notwendigen Bedingungen gestellt werden und die Kontrolle durch die europäischen Institutionen und nicht nur durch die Staaten erfolgt.»

Kein Zusammenbruch des Euro erwartet

Jordan betonte erneut, dass die SNB den Mindestkurs zum Euro von 1,20 Franken mit allem Mitteln verteidigen werde. Dazu sei die Nationalbank zu unbegrenzten Devisenkäufen bereit, wenn dies nötig sei.

Auch weitere Massnahmen seien nicht ausgeschlossen. «Kapitalverkehrskontrollen sind eine der denkbaren Optionen für den schlimmsten Fall», sagte Jordan: «Ich möchte aber dabei betonen, dass wir weder mit einem Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone noch mit einem Zusammenbruch der Währungsunion rechnen.»

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Der SNB-Chef verteidigte die Aufforderung an die Grossbank Credit Suisse, ihre Kapitalvorsorge rascher zu verbessern: Die SNB habe die Empfehlung jetzt vielleicht etwas deutlicher formuliert, da sich das Umfeld verschlechtert habe.

«Die Kursreaktion auf unsere Empfehlung erachte ich als übertrieben, zumal wir ausschliesslich bereits publizierte Informationen für unsere Analyse verwendet haben. Die Nationalbank hat in keiner Weise die Credit Suisse destabilisiert», sagte Jordan. Das sehe man auch an den Preisen für Kreditausfall-Versicherungen.

(chb/muv/awp/sda)